Christus, der ewige König, der kommt, um die Erde in Besitz zu nehmen, und die Vollendung des Geheimnisses Gottes – Einführung
Wenn wir die Offenbarung lesen, begegnen wir einem gewaltigen Bild: Christus als der ewige König, der kommt, um die Erde in Besitz zu nehmen, und dabei das Geheimnis Gottes vollendet. Diese Sicht ist nicht nur ein Thema für Prophetie-Spezialisten. Sie betrifft unser heutiges Glaubensleben, denn die Bibel zeigt, dass wir Christus schon jetzt als den ewigen König erfahren und genießen können.
In Offenbarung 11:15 wird ausgerufen: „Das Königreich der Welt ist zum Königreich unseres Herrn und Seines Christus geworden, und Er wird in Ewigkeit regieren.“ Mit dem Schall der siebten Posaune endet nicht nur die große Trübsal, sondern dieses ganze Zeitalter. Das Geheimnis Gottes wird vollendet (Offb. 10:7), und ein neues Zeitalter beginnt: das Tausendjährige Königreich. Danach folgen der neue Himmel und die neue Erde, in denen Christus in Ewigkeit regiert (Offb. 22:5). Was hier geschieht, ist die endgültige Übernahme der Herrschaft durch Christus. Das Königreich dieser Welt wird bei Seiner Wiederkunft zu Seinem Königreich, nachdem Er Sein Gericht über die Nationen vollstreckt hat (Dan. 7:13–14; 2:44–45).
Diese ewige Herrschaft ist tief in Gottes Wesen gegründet. In den Klageliedern heißt es: „Du, Jehovah, bleibst in Ewigkeit, dein Thron ist von Generation zu Generation“ (Klgl. 5:19). Gottes Güte, Erbarmungen und Treue sind groß (3:22–23), aber noch höher steht Sein ewiges Sein und Sein Thron. Unsere Erfahrungen von Gottes Güte können schwanken, unsere Gefühle können auf und ab gehen, aber Gottes Person und Seine Regierung bleiben unveränderlich. Im Neuen Jerusalem wird Gott vollständig offenbart sein – in Seiner Person als der ewige König und in Seiner Regierung als Sein ewiges, unerschütterliches Königreich (Hebr. 12:28; Offb. 22:3). Beides zusammen ist das feste Fundament, auf dem Gott mit Seinem Volk umgeht.
Eine besonders klare Vision von Christus als dem kommenden König finden wir in Offenbarung 10:1–7. Dort erscheint Er als „ein anderer starker Engel“. Johannes sieht Ihn „aus dem Himmel herabkommen“. Das zeigt: Christus ist auf dem Weg zur Erde. Sein Kommen ist in dieser Szene noch nicht öffentlich, sondern verborgen. Er ist „bekleidet mit einer Wolke“ – nicht „auf der Wolke“, wie später in Offenbarung 14:14 oder in Matthäus 24:30. „Auf der Wolke“ bedeutet ein öffentliches Kommen, sichtbar für alle Stämme der Erde (Offb. 1:7), während „bekleidet mit einer Wolke“ ein verborgenes Kommen andeutet. Selbst in Offenbarung 10 ist Sein Kommen noch geheim; Er ist gleichsam in die Wolke eingehüllt, bis Er in Kapitel 14 auf der Wolke sitzt und Sein Kommen öffentlich wird. Daran wird deutlich, dass manche verbreiteten Vorstellungen über den Zeitpunkt Seines Kommens nicht mit dem biblischen Bild übereinstimmen.
Über dem Haupt dieses starken Engels ist ein Regenbogen (Offb. 10:1). Der Regenbogen erinnert an den Bund, den Gott mit Noah in Bezug auf die Erde geschlossen hat (1. Mose 9:8–17). Wenn Christus kommt, um die Erde zu richten und in Besitz zu nehmen, hält Er diesen Bund. Zugleich zeigt der Regenbogen, dass Christus das Gericht in Übereinstimmung mit dem Gott vollstreckt, der auf dem Thron sitzt, umgeben von einem Regenbogen (Offb. 4:2–3). Die Offenbarung macht klar, dass Gott die Erde und ihre Bewohner richten wird. Der Regenbogen um den Thron bedeutet: Gott ist der Gott des Bundes, der treue Gott, der Seinen Bund hält, während Er richtet. Er wird die Menschheit nicht noch einmal durch eine Flut vernichten und nicht alle Menschen auslöschen. Er wird einen Teil der Menschheit verschonen, damit sie als Nationen auf der neuen Erde zu Seiner Herrlichkeit existieren (Offb. 21:24, 26).
Johannes beschreibt weiter: „Sein Angesicht war wie die Sonne und Seine Füße wie Säulen aus Feuer“ (Offb. 10:1). Kurz bevor Christus öffentlich erscheint, ist Er wie die Sonne, nicht mehr wie der Morgenstern, der vor der dunkelsten Zeit nur denen erscheint, die Ihn lieben und erwarten. Das Feuer in Seinen Füßen weist auf Gottes Heiligkeit hin (2. Mose 19:18; Hebr. 12:29), gemäß der Christus Sein Gericht über die Erde vollstreckt. Seine Füße sind „wie Säulen aus Feuer“ – fest, standhaft, heilig im Gericht.
Dann heißt es: „Er setzte Seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf das Land“ (Offb. 10:2). In der Bibel bedeutet es, ein Gebiet zu betreten, es in Besitz zu nehmen (5. Mose 11:24; Jos. 1:3; Ps. 8:7–9). Dass Christus Seine Füße auf Meer und Land setzt, zeigt: Er kommt, um die ganze Erde in Besitz zu nehmen. Nur Er ist würdig, die Schriftrolle der göttlichen Ökonomie zu öffnen, und nur Er ist qualifiziert, die Erde zu übernehmen.
Christus „schrie mit lauter Stimme, so wie ein Löwe brüllt“ (Offb. 10:3). Das Brüllen eines Löwen wird in den Sprüchen mit dem Zorn eines Königs verglichen (Spr. 19:12; 20:2). Hier sehen wir Christus als den König der Erde, dessen Zorn entbrannt ist. Sein Brüllen kündigt an, dass die Zeit des geduldigen Wartens zu Ende geht und die Zeit des Gerichts und der Übernahme der Herrschaft gekommen ist.
Mit all dem verbindet die Offenbarung eine weitere große Wahrheit: „Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet“ (Offb. 10:7). Was ist dieses Geheimnis? In den Zeitaltern von Adam bis Mose und von Mose bis Christus war vieles von Gottes Plan offenbart; in diesem Sinn gab es damals kein „Geheimnis“ wie im Neuen Testament. Auch im Tausendjährigen Königreich und im neuen Himmel und auf der neuen Erde wird alles offenbar sein. Das besondere „Zeitalter des Geheimnisses“ ist die Zeit von Christus bis zum Tausendjährigen Königreich – das Zeitalter der Gemeinde, das Zeitalter der Gnade. In dieser Zeit ist alles, was Gott tut, von Geheimnissen geprägt.
Die Fleischwerdung Christi, mit der dieses Zeitalter begann, ist ein Geheimnis (1. Tim. 3:16). Der unbegrenzte Gott kam in den begrenzten Menschen hinein. Nicht nur Gott der Sohn, sondern die ganze Fülle des Dreieinen Gottes wurde Fleisch. Christus ist in Seiner Menschwerdung der gesamte Gott, offenbart im Fleisch.
Die Bibel sagt auch: Christus ist das Geheimnis Gottes (Kol. 2:2). Gott selbst ist ein Geheimnis, und Christus ist als Seine Verkörperung das Geheimnis Gottes. In Christus wird Gott definiert, erklärt und ausgedrückt. Alles, was Gott beabsichtigt, hat mit Christus zu tun. In Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol. 2:9) – die ganze Fülle des Dreieinen Gottes in einer konkreten, sichtbaren Person.
Die Gemeinde wiederum ist das Geheimnis Christi (Eph. 3:4–6). Christus ist ein Geheimnis, und die Gemeinde als Sein Leib, die Ihn ausdrückt, ist das Geheimnis Christi. Dieses Geheimnis ist die göttliche Ökonomie: Gott teilt Christus als die Verkörperung Gottes in Sein auserwähltes Volk aus, um einen Leib hervorzubringen. Dieser Leib ist die Zunahme der Verkörperung Gottes in Christus, damit Gott einen korporativen Ausdruck hat. Christus und die Gemeinde als ein Geist sind das große Geheimnis (Eph. 5:32).
Auch andere zentrale Wahrheiten des Neuen Testaments werden als Geheimnisse bezeichnet: das Königreich der Himmel (Mt. 13:11), das Evangelium (Eph. 6:19), das Innewohnen Christi in uns (Kol. 1:27) und die zukünftige Auferstehung und Umgestaltung der Heiligen am Ende dieses Zeitalters (1. Kor. 15:51–52). All dies gehört zum „Geheimnis Gottes“.
Wenn die siebte Posaune ertönt, werden all diese Geheimnisse ihren Abschluss finden. Dann wird das, was heute noch verborgen, innerlich und oft nur im Glauben erfahrbar ist, offenbar werden. Christus, der ewige König, wird sichtbar die Herrschaft übernehmen. Das Königreich der Welt wird zum Königreich unseres Herrn und Seines Christus. Gottes ewige Person und Seine unerschütterliche Regierung werden für alle sichtbar die Grundlage Seines Umgangs mit Seinem Volk sein – in der kommenden Herrschaft Christi und in der ewigen Vollendung im neuen Himmel und auf der neuen Erde.