Das Wort des Lebens
lebensstudium

Wachstum im Leben und seine Ergebnisse (1)

11 Min. Lesezeit

Viele Christen spüren, dass sie „wachsen“ sollten, wissen aber nicht genau, was dieses Wachstum eigentlich ist. Man sammelt Bibelwissen, besucht Kurse, engagiert sich in Diensten – und doch bleibt innerlich oft alles auf derselben Stufe. 1.Petrus zeichnet ein anderes Bild: Der Dreieine Gott wirkt an Seinem auserwählten Volk, schenkt eine vollständige Errettung und bringt ein neues Leben in uns hervor, das in einem heiligen Lebenswandel und ehrlicher, geschwisterlicher Liebe sichtbar werden soll. Dieses Kapitel zeigt, wie Wachstum im Leben mit der Reinigung unseres Herzens, dem Verlangen nach dem Wort und dem Aufbau eines geistlichen Hauses zusammenhängt.

Vollständige Errettung – Grundlage für heiliges Leben und geschwisterliche Liebe

Wenn Petrus im ersten Kapitel seines Briefes von der Errettung spricht, dann geht es ihm nicht nur um ein sicheres Ankommen in der Ewigkeit. Er zeichnet den Weg des Dreieinen Gottes nach, der an seinem auserwählten Volk handelt: Der Vater lässt uns durch eine lebendige Hoffnung neu geboren werden, der Sohn erlöst uns mit seinem kostbaren Blut, und der Geist heiligt uns in einen neuen Lebenswandel hinein. Diese vollständige Errettung ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein Raum, in den Gott uns hineinführt, damit wir in ihm leben. In der Sprache von Petrus heißt es, dass wir zu einem „gereiften Mann, zum Maß des Wuchses der Fülle Christi“ gelangen sollen (Epheser 4:13). Die Errettung ist also nicht nur Rettungsring, sie ist auch Schulraum, Werkstatt und Heimat für ein Leben, das immer mehr vom göttlichen Leben durchdrungen wird.

Dieser Abschnitt macht deutlich, dass der Dreieine Gott an Sein auserwähltes Volk wirkt, um Seine Ökonomie auszuführen und es in die volle Teilhabe an Sich Selbst hineinzubringen, damit es Ihn als Gnade genießen kann. Wenn Gottes auserwähltes Volk den Dreieinen Gott als Gnade genießt, hat es Frieden. Frieden ist daher das Ergebnis des Genusses der Gnade. … Gottes vollständige Errettung umfasst die Wiederzeugung durch den Vater, die Erlösung durch den Sohn und die Heiligung durch den Geist. Dies ist die vollständige Errettung, die durch das Wirken des Dreieinen Gottes vollzogen wird. Die vollständige Errettung des Dreieinen Gottes führt zu zwei Ergebnissen: einem heiligen Lebenswandel zum Ausdruck Gottes und ungeheuchelter brüderlicher Liebe zu allen Heiligen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft fünfzehn, S. 125)

Darum beschreibt Petrus das Ergebnis der vollständigen Errettung in zwei Linien: ein heiliger Lebenswandel, der den heiligen Gott sichtbar macht, und eine ungeheuchelte geschwisterliche Liebe, die alle Heiligen umfasst. Heiliges Leben ohne Liebe wäre hart und unnahbar; Liebe ohne Heiligkeit würde weich und beliebig. Wenn Gottes Errettung sich entfaltet, wachsen beide gemeinsam: Der Vater prägt uns durch die neue Geburt, der Sohn erinnert uns durch seine Erlösung daran, was es ihn gekostet hat, uns zu gewinnen, und der Geist trennt uns nach und nach von Mustern, die nicht zu diesem neuen Volk passen. So wird das Gemeindeleben zu einem Ort, an dem Gott Gestalt annimmt und Geschwister einander ohne Maske begegnen. Je tiefer dieses Heil in uns wirksam wird, desto unaufdringlicher, aber desto deutlicher wird sichtbar, dass nicht wir uns verbessern, sondern dass Gottes Leben gewachsen ist.

In dieser Sicht ist Wachstum im Leben nichts, was wir aus eigener Kraft produzieren müssten. Es ist die Konsequenz daraus, dass wir uns immer wieder der Quelle unserer Errettung aussetzen: der Liebe des Vaters, der Gnade des Sohnes, der innerlich wirkenden Heiligung durch den Geist. Wo ein Mensch so lebt, verändert sich sein Umgang, seine Worte, seine stillen Reaktionen. Er wird nicht perfekt, aber merklich anders. Und mitten in den Unvollkommenheiten der Gemeinde beginnt ein anderes Klima zu entstehen: Gott wird nicht nur bekannt, er wird erlebt; Geschwister sind nicht nur Mitbesucher, sondern Menschen, an denen die Spur der vollständigen Errettung ablesbar ist. Dies macht Mut, die eigene Geschichte nicht an den eigenen Maßstäben zu messen, sondern an dem, was Gott in seiner Treue aus dieser Errettung noch hervorbringen will.

bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der völligen Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zu einem gereiften Mann, zum Maß des Wuchses der Fülle Christi, (Eph. 4:13)

Wer die vollständige Errettung des Dreieinen Gottes so versteht, wird sich nicht mit einem bloßen „Gerettetsein“ zufriedengeben. Der Blick richtet sich auf den lebendigen Gott, der weiterführen will: in einen Lebenswandel, der Ihn widerspiegelt, und in eine geschwisterliche Liebe, die weniger von Sympathie und mehr von Gnade geprägt ist. Im Alltag kann das heißen, auf kleine Regungen des Geistes zu achten, die zu einem heiligen Schritt oder zu einem liebevollen Wort führen – und darin ein Echo der großen Errettung zu erkennen, die Gott schon längst begonnen hat und die Er treu weiterführen wird.

Verborgene Wurzeln entlarven – vom Malice-Wurzelwerk zur reinen Liebe

Petrus beginnt den zweiten Abschnitt seines Briefes mit einem starken Bildwechsel: Vom großen Panorama der Errettung führt er in den engen Raum des Herzens. „Darum legt ab alle Schlechtigkeit und alle Arglist und Heucheleien und Neidgedanken und alle üblen Nachreden“ (1.Petr. 2:1). Er wählt nicht irgendeine Liste von Verfehlungen, sondern zeichnet einen inneren Weg nach. Am Anfang steht die Bosheit, eine verborgene innere Haltung, die dem anderen nichts Gutes gönnt oder insgeheim seinen Schaden in Kauf nimmt. Aus dieser Wurzel wächst eine innere Unaufrichtigkeit, die sich als Arglist, als taktisches Denken und versteckte Motive zeigt. Wo das Herz so geprägt ist, werden Masken nötig – Heuchelei wird zur zweiten Haut, und Neid vergleicht und wertet ab, was Gott anderen gegeben hat.

Von den Hunderten sündiger Dinge wählt Petrus fünf aus: Bosheit, List, Heuchelei, Neid und üble Nachrede. … Entsprechend der Reihenfolge dieser fünf Dinge ist die Bosheit die Wurzel, die Quelle, und die üble Nachrede ist der Ausdruck. Wir können Bosheit als Wurzel in uns haben; dann wird es schließlich üble Nachrede als Ausdruck dieser Bosheit geben. Die Entwicklung von der Bosheit zur üblen Nachrede schließt List, Heuchelei und Neid ein – drei absteigende Schritte von der Bosheit hin zur üblen Nachrede. … Daher ist die Wurzel die Bosheit, die Entwicklung umfasst List, Heuchelei und Neid, und der endgültige Ausdruck ist die üble Nachrede. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft fünfzehn, S. 127)

Am Ende dieses Weges steht nicht nur ein inneres Empfinden, sondern ein hörbarer Ausdruck: üble Nachrede. Was in der Bosheit verborgen beginnt, bricht im Reden hervor. Darum verknüpft Petrus das Weglegen dieser Dinge mit dem Verlangen nach der unarglistigen Milch des Wortes. Er deutet an: Solange die Wurzel der Bosheit im Verborgenen bleibt, bleibt auch der geistliche Hunger eingeschränkt. Man hört zwar Gottes Wort, aber das innere Begehren bleibt matt, der Geschmack stumpf. Wenn das Licht Gottes diese Wurzel trifft, wird das Werk Christi neu kostbar: Er hat nicht nur äußerliche Sünden getragen, sondern auch die inneren Bewegungen, die andere Menschen verletzen. So wie im dritten Buch Mose das Sündopfer und das Übertretungsopfer unterschiedliche Seiten der Verfehlung abdecken, so reicht das Blut Christi sowohl an die verborgene Bosheit als auch an das ausgesprochene Wort heran.

Wo ein Mensch seine Bosheit und ihren Weg zur üblen Nachrede im Licht Gottes erkennt, entsteht nicht Verzweiflung, sondern ein neuer Weg. Dasselbe Herz, das zuvor festhielt und sich rechtfertigte, beginnt sich zu öffnen; dieselbe Zunge, die früher zersetzend sprach, entdeckt, dass sie segnen und aufbauen kann. In dieser Bewegung wird Raum für die ungeheuchelte Bruderliebe geschaffen, von der Petrus bereits gesprochen hat. Liebe wird dann nicht zu einem Ideal, das noch mehr Druck erzeugt, sondern zu einem Ausdruck eines gereinigten Herzens. In dieser Erfahrung liegt eine tiefe Ermutigung: Gottes Wachstum im Leben zeigt sich oft unscheinbar – in einem verschwiegenen Stopp, bevor ein verletzendes Wort ausgesprochen wird, in einem ehrlicheren Blick, in der Fähigkeit, dem anderen Gutes zu wünschen. So reift Stück für Stück eine Liebe heran, die nicht aus menschlicher Anstrengung stammt, sondern aus einem Herzen, das Christus mit seiner reinigenden Gnade berührt hat.

Darum legt ab alle Schlechtigkeit und alle Arglist und Heucheleien und Neidgedanken und alle üblen Nachreden, (1.Petr. 2:1)

Die Entlarvung der verborgenen Wurzeln im Herzen ist kein harter moralischer Anspruch, sondern ein Zeichen dafür, dass Gott es ernst meint mit unserem Wachstum. Wo Er die Bosheit ans Licht bringt, schenkt Er zugleich das Mittel zu ihrer Überwindung: das Blut Christi, das unser Gewissen reinigt, und das sanfte Wirken des Geistes, der neue Gedanken und Worte einprägt. Es ist tröstlich zu wissen, dass jede kleine Bewegung weg von Arglist, Heuchelei und Neid und hin zu Wahrheit und Segensworten ein Hinweis darauf ist, dass das göttliche Leben in uns nicht stehen geblieben ist, sondern weiterwächst – leise, aber wirkkräftig.

Das guilelose Milchwort – Nahrung für Wachstum und Aufbau des Hauses Gottes

Unmittelbar nachdem Petrus von Bosheit, Arglist und übler Nachrede gesprochen hat, öffnet er ein anderes Bild: „Und sehnt euch wie neugeborene Kinder nach der unarglistigen Milch des Wortes, damit ihr durch sie wachst zur Errettung“ (1.Petr. 2:2). Die Metapher ist schlicht und tief zugleich. Neugeborene Kinder wachsen nicht durch Anstrengung, sondern durch regelmäßige Nahrung. So zeichnet Petrus die Gläubigen als Menschen, die durch Wiederzeugung zu Kindern geworden sind, deren innerer Mensch Nahrung braucht. Diese Milch ist das Wort Gottes, aber nicht als abstrakte Information, sondern als lebendige, guilelose Zuwendung Gottes in Christus. Gerade weil zuvor von „Arglist“ die Rede war, betont Petrus das Gegenteil: Das Wort Gottes ist ohne Hintergedanken, es manipuliert nicht, es ist frei von doppeltem Boden.

„Wie neugeborene Kindlein seid begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie zur Errettung wachst.“ Durch Wiederzeugung geboren (1:3, 23), werden die Gläubigen zu Kindlein, die im Leben wachsen können zu weiterer Errettung, und zwar für Gottes Bau, indem sie mit der geistlichen Milch genährt werden. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft fünfzehn, S. 127)

Wenn dieses Wort in dieser Weise aufgenommen wird, geschieht mehr als ein Zuwachs an Bibelwissen. Das innere Leben wird genährt, der geistliche Organismus gestärkt, der Blick auf Gott geklärt. Im Bild gesprochen: In dieser Milch ist ein geistliches „Antibiotikum“, das die Keime der Bosheit und der List in uns angreift. Manchmal wird genau dadurch sichtbar, was uns bisher verborgen war: Ein Vers trifft eine verborgene Haltung, eine bekannte Geschichte leuchtet plötzlich in einer neuen Schärfe auf. Doch zugleich wirkt dieses Wort tröstend und aufbauend. Je mehr dieser stille Prozess weitergeht, desto stärker wird der innere Mensch, und desto deutlicher zeigt sich, dass Wachstum im Leben darin besteht, dass das Maß des göttlichen Lebens in uns zunimmt – nicht die Menge an Informationen, sondern die Tiefe der inneren Wirklichkeit.

Dieses persönliche Genährtwerden bleibt bei Petrus jedoch nie privat. Direkt im Anschluss sagt er: „werdet auch ihr als lebendige Steine als ein geistliches Haus zu einer heiligen Priesterschaft aufgebaut, um geistliche Opfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus“ (1.Petr. 2:5). Die Milch des Wortes dient dem Aufbau des Hauses Gottes. Was in der Stille des Herzens geschieht, hat eine gemeinschaftliche Richtung: Genährte Kinder werden zu lebendigen Steinen, die sich einfügen lassen; ein gestärkter innerer Mensch kann an anderen nicht vorbeileben, sondern wird hineingezogen in ein geistliches Haus, in dem Gott wohnt. So gehören Wachstum im Leben und Aufbau des Hauses Gottes untrennbar zusammen. Gerade darin liegt eine stille Ermutigung: Jeder schlichte Akt, in dem das Wort Gottes aufgenommen und geglaubt wird, hat eine größere Tragweite, als sichtbar ist. Er dient nicht nur dem eigenen Trost, sondern dem unsichtbaren Wachsen eines Hauses, in dem Gott unter Menschen wohnen will.

und sehnt euch wie neugeborene Kinder nach der unarglistigen Milch des Wortes, damit ihr durch sie wachst zur Errettung, (1.Petr. 2:2)

werdet auch ihr als lebendige Steine als ein geistliches Haus zu einer heiligen Priesterschaft aufgebaut, um geistliche Opfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus. (1.Petr. 2:5)

Wer das Wort Gottes als guilelose Milch entdeckt, wird es nicht mehr nur als Pflichtlektüre sehen, sondern als tägliche Zuwendung des Vaters an sein Kind. Es wird Zeiten geben, in denen dieses Wort tröstet, und andere, in denen es etwas aufdeckt oder zurechtrückt. In allem aber nährt es das neue Leben und macht fähig, sich als lebendiger Stein in Gottes Bau hineinstellen zu lassen. So bekommt auch der unscheinbare Moment, in dem ein Wort der Schrift im Herzen nachklingt, eine neue Bedeutung: Er ist Teil eines stillen Wachstums, das weit über das eigene Leben hinausreicht und dem Aufbau des geistlichen Hauses dient, in dem Gott sich verherrlichen will.


Herr Jesus Christus, danke für die vollständige Errettung, in die Du uns hineingerufen hast: für die Wiedergeburt durch den Vater, die Erlösung durch Dein Blut und die Heiligung durch den Heiligen Geist. Lass Dein Licht tiefer in unser Herz scheinen, damit jede verborgene Wurzel von Bosheit, List, Heuchelei, Neid und verletzendem Reden vor Dir offenbar wird und durch Dein Blut gereinigt werden kann. Nähre uns täglich mit der guilelosen Milch Deines Wortes, damit Dein Leben in uns zunimmt und unsere geistliche Statur wächst. Baue uns als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus zusammen, in dem Deine Heiligkeit sichtbar und Deine Liebe zwischen den Geschwistern spürbar wird. Stärke alle, die sich schwach, trocken oder ohne geistlichen Appetit fühlen, durch Deinen Geist und wecke in ihnen eine neue Sehnsucht nach Dir und Deinem Wort. Der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, bewahre unsere Herzen und Gedanken in Dir und erfülle unser Gemeindeleben mit Deinem heiligen Leben und Deiner aufrichtigen Liebe. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Peter, Chapter 15

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