Das Wort des Lebens
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Die göttliche Versorgung (1)

12 Min. Lesezeit

Viele Christinnen und Christen tragen eine leise Unsicherheit in sich: Reicht das, was Gott mir gegeben hat, wirklich aus? Zwischen dem Wissen um Gottes Verheißungen und der Erfahrung des Alltags scheint oft eine Lücke zu liegen. Der zweite Petrusbrief zeichnet ein anderes Bild: Gott hat selbst für alles gesorgt, was wir für Leben mit ihm und für ein gottgemäßes Leben in dieser Welt brauchen – und diese Versorgung ruht nicht auf unserer Leistung, sondern auf seiner eigenen Gerechtigkeit in Christus.

Wie Gottes Regierung und seine Versorgung zusammengehören

Wenn Petrus im zweiten Brief erneut von Gottes Regierung spricht, knüpft er nicht an ein starres Weltbild eines fernen Herrschers an. Die gleiche Hand, die die Geschichte lenkt, öffnet sich zugleich zu einer großzügigen Gabe. Gleich zu Beginn erinnert er daran, dass die Adressaten „einen gleich kostbaren Glauben wie wir durch das Los zugeteilt bekommen haben in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus“ empfangen haben (2.Petr. 1:1). Hier begegnen sich Herrschaft und Versorgung: Gott behält das Los in der Hand, aber was er zuteilt, ist nicht Last, sondern Gnade. Seine Regierung zeigt sich nicht zuerst in Forderungen, sondern darin, dass er in Christus alles bereitstellt, was seine Führung überhaupt erst erträglich und fruchtbar macht.

Der 2. Petrusbrief ist eine Fortsetzung des 1. Petrusbriefes und betont ebenfalls Gottes Regierung. In diesem Brief sehen wir jedoch auch Gottes Versorgung. Daher können wir sagen, dass das Thema des 2. Petrusbriefes die göttliche Versorgung und die göttliche Regierung ist. Wo Gottes Regierung ist, da ist auch Gottes Versorgung. Gott gewährt uns Seine Versorgung, damit wir mit Seiner Regierung zusammenarbeiten. (Witness Lee, Life-Study of 2 Peter, Botschaft eins, S. 1)

Darum kann Petrus unmittelbar hinzufügen, „weil Seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehört“ (2.Petr. 1:3). Zwischen dem Gott, der regiert, und dem Gott, der schenkt, besteht kein Spannungsverhältnis. Die gleiche göttliche Kraft, mit der er Weltläufe ordnet und eine neue Schöpfung heraufführt, wirkt in den Glaubenden als Quelle des Lebens und der Gottesfurcht. Wo Gott uns unter seine Regierung stellt, stellt er uns zugleich unter seinen Zufluss. Seine Gebote stehen nie isoliert, sie sind immer von der Kraft begleitet, die sie möglich macht. Das entlastet das Gewissen: Treue unter Gottes Regierung bedeutet nicht, über eigene Grenzen hinaus zu leisten, sondern aus einer göttlichen Fülle zu leben, die uns vorher zugesprochen wurde.

In dieser Spannung von Herrschaft und Versorgung steht auch der Name „Simon Petrus“ am Beginn des Briefes. Simon ist der alte, schwankende Mensch, Petrus der von Christus erneuerte, zur „Stein“-Person gewordene Jünger (Johannes 1:42). Beides trägt derselbe Mann in sich, und gerade so wird er gebraucht. In ihm spiegeln sich alte und neue Schöpfung, menschliche Schwäche und göttliche Bestimmung. Unter Gottes Regierung wird der alte Zustand nicht einfach verdrängt, sondern durch das neue Leben nach und nach überwunden. In der göttlichen Versorgung erhält auch der „Simon“ in uns Raum, um zu „Petrus“ zu werden: das unbeständige Herz wächst in Standhaftigkeit, weil es von oben genährt wird.

Wenn Petrus später von einem neuen Himmel und einer neuen Erde spricht, „in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2.Petr. 3:13), spannt er den Bogen weit über unser persönliches Leben hinaus. Gott geht mit der Welt auf ein Ziel zu, und doch lässt er die Glaubenden nicht als Randfiguren einer gewaltigen Inszenierung zurück. Inmitten dieser alten Schöpfung lässt er sie schon heute an der kommenden Wirklichkeit teilhaben – durch einen Glauben, der als göttliches Erbe zugeteilt ist, und durch eine Versorgung, die „alle Dinge“ umfasst, die zum Leben mit ihm nötig sind. So wird Gottes Regierung nicht zum Druck von außen, sondern zum Rahmen, in dem seine Versorgung uns innerlich trägt. Wer sich darin wiederfindet, darf lernen, den Lauf der Dinge nicht zu fürchten: Hinter allem, was Gott ordnet, steht derselbe, der uns reichlich beschenkt und uns fähig macht, mit seiner Regierung im Kleinen unseres Alltags zu harmonieren.

Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi, an die, die einen gleich kostbaren Glauben wie wir durch das Los zugeteilt bekommen haben in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus: (2.Petr. 1:1)

weil Seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehört, durch die völlige Erkenntnis dessen, der uns durch Seine eigene Herrlichkeit und Tugend berufen hat, (2.Petr. 1:3)

Gottes Regierung über dir ist nie ohne seine Versorgung in dir. Wo er dich führt, hat er auch schon gegeben, was du für diesen Weg brauchst. Je mehr du seinen Blick auf deine Geschichte suchst, desto deutlicher wird, dass seine Hand, die leitet, zugleich die Hand ist, die trägt und füllt.

Der zugeloste Anteil: Wie ‘kostbarer Glaube’ unser Erbe erschließt

Wenn Petrus davon spricht, dass den Gläubigen ein „gleich kostbarer Glaube“ zugelost wurde, greift er ein vertrautes Bild der Schrift auf. Im alten Bund erhielten die Kinder Israels ihr Erbteil im Land nicht nach eigener Wahl, sondern „durch das Los ihres Erbteils, wie der HERR durch Mose geboten hatte“ (Josua 14:2). Das Land war Gottes Geschenk, die Verteilung Ausdruck seiner souveränen Entscheidung. So zeichnet Petrus unseren geistlichen Zustand: Auch wir stehen nicht vor einem leeren Feld, das wir uns selbst erarbeiten müssten. Uns ist etwas zugeteilt, ein Anteil am Reichtum Christi, der in diesem „kostbaren Glauben“ verborgen liegt.

So wie die Kinder Israels ein Stück des guten Landes als Erbteil erhielten (Jos. 14:1–5), ist uns ein gleicher kostbarer Glaube zugelost worden. Das bedeutet, dass alle Dinge, die sich auf Leben und Gottesfurcht beziehen (2.Petr. 1:3), einschließlich der göttlichen Natur (V. 4), an der die Gläubigen durch den gleichen kostbaren Glauben gemäß den kostbaren und überaus großen Verheißungen teilhaben, das eigentliche Erbe sind, das den Gläubigen von Gott im Neuen Testament gegeben worden ist. (Witness Lee, Life-Study of 2 Peter, Botschaft eins, S. 2)

Dieser Glaube ist kein bloßes Für-wahr-Halten, sondern der Zugang zu einer Fülle, die Gott in Christus bereitet hat. Petrus beschreibt sie so: „Seine göttliche Kraft hat uns alles geschenkt, was zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehört“ und weiter, dass wir „Teilhaber der göttlichen Natur“ werden (2.Petr. 1:3–4). Mit anderen Worten: Das Erbe, das Gott gibt, besteht nicht zuerst aus äußeren Segnungen, sondern aus einem Anteil an seinem eigenen Leben, an seinem Wesen, an den Verheißungen, die dieses Leben in uns entfalten. Der Glaube ist dabei wie die Hand, die dieses Erbe ergreift – aber die Hand ist selbst schon Teil des Geschenks. Niemand bringt sich den rettenden Glauben aus sich selbst mit; er wird „durch das Los zugeteilt“ und öffnet uns die Tür in den Raum der göttlichen Versorgung.

Wenn Petrus von „gleich kostbarem“ Glauben spricht, liegt darin eine stille, aber kräftige Zusage. Der einfache Knecht und der erfahrene Apostel, die junge Glaubende und der alte Diener Gottes – sie alle leben vom Glauben derselben Qualität, auch wenn ihr Maß der Erfahrung verschieden ist. Das erinnert an die Stämme Israels, die im Land Kanaan unterschiedlich große Gebiete erhielten, und doch war der Boden überall derselbe gute Boden. So ist Christus das gute Land, und der Glaube verbindet uns mit ihm. Manche kennen mehr von seinen Höhen und Tiefen, andere stehen noch am Rand, aber niemand besitzt einen „besseren Christus“ als der andere.

Daraus wächst eine stille Würde und Freiheit. Wer weiß, dass sein Anteil nicht von seiner Herkunft, seinem Temperament oder seiner bisherigen Frömmigkeit abhängt, sondern von Gottes Zuteilung, muss sich weder überheben noch minderwertig fühlen. Die kostbaren und überaus großen Verheißungen sind nicht wenigen besonders Geeigneten vorbehalten, sie gehören zum gemeinsamen Erbe aller Heiligen. In Christus ist dir ein Anteil am göttlichen Leben gegeben, und der von Gott gewirkte Glaube ist das Band, das dich mit diesem Erbteil verbindet. Diese Perspektive lädt dazu ein, das eigene Leben nicht mehr von dem her zu deuten, was fehlt, sondern von dem, was bereits zugesprochen ist: ein zugeloster Anteil an Christus selbst, aus dem heraus das tägliche Leben in der Gottesfurcht Gestalt gewinnt.

durch welche Er uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben entronnen seid, das durch die Begierde in der Welt ist. (2.Petr. 1:4)

durch das Los ihres Erbteils, wie der HERR durch Mose geboten hatte betreffs der neun Stämme und des halben Stammes. (Jos. 14:2)

Dein geistliches Leben ruht auf einem Erbe, das größer ist als dein Empfinden und dein Maß an Erfahrung. Der Gott, der dir Christus als guten Boden gegeben hat, hat dir im gleichen Akt den Glauben geschenkt, der dich mit diesem Boden verbindet. Darin liegt die stille Zuversicht, dass kein Tag vergeht, an dem du wirklich mittellos vor ihm stehst.

Die zweifache Gerechtigkeit: Auf welchem Fundament unsere Versorgung ruht

Petrus verankert die göttliche Versorgung in einer Formulierung, die leicht überlesen wird und doch von großer Tiefe ist: Der gleich kostbare Glaube ist uns „in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus“ zugeteilt worden (2.Petr. 1:1). Damit zeichnet er kein vages Gefühl göttlicher Güte, sondern ein rechtliches Fundament. Die Versorgung Gottes ruht nicht auf wechselnden Stimmungen, sondern auf der festen Gerechtigkeit Gottes selbst. Sie ist gebunden an das, was Christus getan hat, und daran, wie Gott dieses Werk bewertet. Hier begegnen sich zwei Blickrichtungen auf dieselbe Gerechtigkeit.

Als unser Heiland ist Seine Gerechtigkeit Seine gerechte Tat, Sein Tod am Kreuz in völliger Obedienz (Phil. 2:8), durch den Er die Sühnung für die Sünden der ganzen Welt vollbrachte (1.Joh. 2:2) und uns befähigte, von Gott gerechtfertigt zu werden (Röm. 5:18). Als unser Gott ist Seine Gerechtigkeit Seine Gerechtigkeit darin, dass auf der Grundlage dieser gerechten Tat, der Erlösung unseres Heilandes Jesus Christus (Röm. 3:24–25), alle Gläubigen in Christus gerechtfertigt werden (Röm. 3:26), sowohl Juden als auch Heiden (Röm. 3:30). (Witness Lee, Life-Study of 2 Peter, Botschaft eins, S. 5)

Als unser Retter erweist Christus seine Gerechtigkeit in einer konkreten Tat: „Erniedrigte Er Sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, und zwar zum Tod am Kreuz“ (Philipper 2:8). Dieser Gehorsam ist nicht bloß Beispiel, sondern wirksames Heilsgeschehen. „So wie es nun durch eine Verfehlung für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kam es auch durch eine gerechte Tat für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens“ (Römer 5:18). Diese eine gerechte Tat, sein Kreuzestod, ist die Grundlage dafür, dass er „die Sühnung für unsere Sünden, und nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt“ ist (1.Joh. 2:2). Die Gerechtigkeit Christi ist hier die Vollkommenheit seines Gehorsams, mit dem er alles gut macht, was der erste Adam verdorben hat.

Doch Petrus spricht nicht nur von der Gerechtigkeit des Retters, sondern auch von der Gerechtigkeit Gottes. Römer 3 beschreibt, wie Gott genau auf diesem Werk Christi handelt: Wir „werden umsonst gerechtfertigt durch Seine Gnade mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist, den Gott durch den Glauben an Sein Blut als Sühnestätte hingestellt hat“ (Römer 3:24–25). Und dann heißt es, Gott handle so, „damit Er gerecht sei und derjenige, der den rechtfertigt, der aus dem Glauben Jesu ist“ (Römer 3:26). Seine Gerechtigkeit besteht darin, dass er das Werk seines Sohnes ernst nimmt und auf dieser Grundlage Recht schafft. Gott ist nicht großzügig auf Kosten der Wahrheit; er ist gnädig, indem er seiner eigenen Gerechtigkeit treu bleibt.

In diesem Zusammenklang von der gerechten Tat Christi und der gerechten Rechtsprechung Gottes entsteht das, was man eine zweifache Gerechtigkeit nennen kann. Als Retter legt Christus das Fundament, als Gott erklärt er auf dieser Grundlage die Glaubenden für gerecht. Beides zusammen ist der Boden, auf dem unsere Versorgung steht. Wenn uns also Glaube, neues Leben, Verheißungen und Teilhabe an der göttlichen Natur geschenkt werden, geschieht das nicht willkürlich, sondern rechtmäßig. Gott wäre ungerecht sich selbst und seinem Sohn gegenüber, wenn er denen, die in Christus sind, die Früchte dieses Werkes vorenthalten würde.

Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi, an die, die einen gleich kostbaren Glauben wie wir durch das Los zugeteilt bekommen haben in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus: (2.Petr. 1:1)

und werden umsonst gerechtfertigt durch Seine Gnade mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist, (Röm. 3:24)

Wo du auf dich selbst schaust, wirkt Gottes Versorgung oft unsicher, als könnte sie jederzeit versiegen. Wo du auf die Gerechtigkeit Gottes in Christus schaust, erkennst du: Er wäre sich selbst untreu, wenn er dir nicht geben würde, was sein Sohn für dich erworben hat. In dieser Gewissheit wird der Weg mit ihm stiller, freier und von einem Vertrauen getragen, das nicht mehr an der eigenen Beständigkeit hängt.


Herr Jesus Christus, du bist unser Gott und unser Retter, und in deiner vollkommenen Gerechtigkeit hast du uns einen unverlierbaren Anteil an dir selbst geschenkt. Danke, dass du uns in deinem Erbarmen alles gegeben hast, was wir zum Leben mit dir und zu einem gottgemäßen Wandel brauchen, und dass unser Erbe nicht auf unserer eigenen Gerechtigkeit, sondern auf deinem vollbrachten Werk gegründet ist. Stärke in uns den wie kostbaren Glauben, damit wir aus deiner Fülle leben, deine Verheißungen ergreifen und inmitten einer alten Welt schon jetzt als Menschen der neuen Schöpfung sichtbar werden. Wo unser Herz von Zweifel, Schuld oder eigener Leistungssuche bedrängt ist, lass uns neu zur Ruhe kommen in der Gewissheit, dass deine Gnade und deine Gerechtigkeit für uns ausreichen. Fülle uns mit Hoffnung auf den Tag, an dem deine Regierung voll sichtbar wird und wir dein göttliches Erbe in seiner ganzen Herrlichkeit schauen werden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Peter, Chapter 1

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