Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Genuss und die Segnung der Erlösten Gottes in der Ewigkeit

12 Min. Lesezeit

Wo Menschen heute miteinander feiern, bleibt doch oft eine innere Leere zurück – die Sehnsucht nach einer echten, reinen Gemeinschaft wird nicht wirklich gestillt. Die Offenbarung zeichnet ein anderes Bild: Gottes erlöste Menschen leben in Ewigkeit in einer heiligen Stadt, in der Gott selbst ihre Freude, ihr Licht und ihre unerschöpfliche Lebensquelle ist. Was uns dort erwartet, wirft ein helles Licht auf das, was Gott schon jetzt in der Gemeinde wirken will.

Die heilige Stadt – Gott in Gemeinschaft mit seinem Volk

Wenn die Offenbarung von der heiligen Stadt spricht, zeichnet sie kein kaltes Stadtpanorama, sondern ein lebendiges Miteinander von Gott und Menschen. Johannes hört eine Stimme vom Thron her, die sagt: „Siehe, die Stiftshütte Gottes ist bei den Menschen, und Er wird bei ihnen stiftshütten, und sie werden Seine Völker sein und Gott Selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein“ (Offenbarung 21:3). Die Stadt ist so gesehen keine bloße Umgebung, sondern die Form, in der sich Gemeinschaft vollendet: Gott inmitten eines Volkes, das ganz von Ihm durchdrungen ist. Die Mauern, Tore und Straßen dieser Stadt sind Bilder für ein Leben, in dem Gott unsere Atmosphäre, unsere Beziehungen und unser inneres Empfinden vollkommen erfüllt.

Die heilige Stadt, an der wir teilhaben und die wir genießen werden, ist Gott, vermengt mit all Seinen Heiligen. In diesem einen Gebilde, der heiligen Stadt, werden wir nicht nur Gott genießen, sondern Gott in allen Heiligen genießen. Wir werden Gott ineinander genießen, und wir werden einander in Gott genießen. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft sechsundsechzig, S. 759)

In der heiligen Stadt genießen wir nicht nur Gott „für uns“, sondern Gott in den anderen Erlösten und sie in uns. Das ist mehr als Harmonie; es ist ein gemeinsames Teilhaben an derselben göttlichen Wirklichkeit. Der Dreieine Gott, der in der Geschichte nacheinander im Fleisch, im verherrlichten Leib und als lebengebender Geist zu uns kam, hat dieses Ziel: eine Gemeinschaft, in der Er Selbst der Inhalt aller ist, ohne jemanden zu verschlucken oder zu entpersönlichen. Die Sehnsucht nach tiefer, verlässlicher Nähe, die sich durch unser ganzes Leben zieht, findet hier ihre Antwort – nicht in einer idealisierten Kleingruppe, sondern in einem von Gott durchlichteten Miteinander, in dem nichts Trennendes, kein Misstrauen, keine verborgene Konkurrenz mehr Raum hat.

Schon jetzt lässt Gott etwas von dieser kommenden Gemeinschaft aufleuchten, wenn Er das Gemeindeleben als Vorgeschmack des Neuen Jerusalem formt. Wo das Blut Christi unsere Beziehungen reinigt und wir „im Licht wandeln, wie Er im Licht ist“, geschieht, was der Apostel beschreibt: „so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde“ (1.Joh. 1:7). Die örtliche Gemeinde wird dann zu einem kleinen, aber realen Abbild der ewigen Stadt: Menschen aus verschiedensten Hintergründen werden nicht durch Sympathie zusammengehalten, sondern durch die Gegenwart des Herrn, der in ihnen wohnt und sie zu einem Zeugnis verbindet.

Der Blick auf die heilige Stadt befreit uns von einer eng gefassten, rein individuellen Vorstellung von Erlösung. Gott hat uns nicht erlöst, damit wir irgendwann alleine glücklich sind, sondern damit wir Teil eines gemeinsamen, durch und durch von Ihm gesättigten Lebens werden. Wer diese Perspektive im Herzen trägt, geht nüchterner mit Enttäuschungen in der Gemeinschaft um, verliert aber nicht die Hoffnung: Die Spannungen der Gegenwart sind nicht das letzte Wort. In Gottes Licht darf eine stille Freude wachsen, dass unsere kleine, manchmal brüchige Gemeinschaft auf ein Ziel hin unterwegs ist, in dem jede Trennung überwunden ist und wir einander ohne Schatten in Gott genießen werden.

Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Stiftshütte Gottes ist bei den Menschen, und Er wird bei ihnen stiftshütten, und sie werden Seine Völker sein und Gott Selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein. (Offb. 21:3)

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. (1.Joh. 1:7)

Die heilige Stadt als Bild der vollendeten Gemeinschaft lädt uns ein, unser heutiges Gemeindeleben nicht gering zu achten. Wo Gott uns miteinander verbindet, übt Er uns schon jetzt in der Sprache der Ewigkeit: im ehrlichen Licht, in der Vergebung, im gemeinsamen Schauen auf Ihn. Dieser Ausblick tröstet, wenn Beziehungen schwer sind, und er weckt Mut, nicht zu resignieren, sondern sich von Gott in ein Miteinander hineinführen zu lassen, das mehr von Ihm widerspiegelt. Je mehr wir heute lernen, Gott im anderen zu erkennen und zu schätzen, desto vertrauter wird uns der Geschmack jener Stadt, in der Gott alles in allen sein wird.

Baum des Lebens und Wasser des Lebens – Christus als ewige Lebensversorgung

Der Weg der Bibel beginnt mit einem Garten, in dessen Mitte ein besonderer Baum steht. Es heißt: „Und Jehovah Gott pflanzte in Eden im Osten einen Garten; und dorthin setzte Er den Menschen, den Er geformt hatte“ (1.Mose 2:8). „Und aus dem Erdboden ließ Jehovah Gott allerlei Bäume emporwachsen … und auch den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens“ (1.Mose 2:9). Gott stellt den Menschen von Anfang an in die Nähe einer Quelle göttlicher Nahrung. Der Baum des Lebens ist mehr als ein Symbol für Unsterblichkeit; er verkörpert Gottes Absicht, sich selbst als Leben in den Menschen hineinzuteilen, damit dieser nicht nur vor Gott existiert, sondern aus Gott lebt.

Der zweite Gegenstand unseres Genusses in der Ewigkeit ist der Baum des Lebens (22:14.19). Der Baum des Lebens ist nichts Geringeres als Christus, der Sohn Gottes, das erlösende Lamm, als unsere Lebensversorgung. Dieser Baum ist reich, frisch und erfrischend. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft sechsundsechzig, S. 761)

Durch den Fall wurde dieser Weg versperrt. Der Zugang zum Baum des Lebens ist bewacht, „um den Weg zum Baum des Lebens zu bewahren“ (1.Mose 3:24). Doch das letzte Buch der Schrift öffnet das Bild wieder und zeigt uns den Baum des Lebens mitten in der Stadt Gottes. Dort heißt es: „Gesegnet sind die, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben und durch die Tore in die Stadt hineingehen können“ (Offb. 22:14). Die geklärte, gereinigte Beziehung zu Christus – die „gewaschenen Kleider“ – ist der Weg zurück zu jener Nahrung, die der Mensch im Paradies verpasst hat. In der Ewigkeit wird Christus als der wahre Baum des Lebens unsere unerschöpfliche Speise sein: reich, frisch, jede Müdigkeit und jeden Mangel übersteigend.

Parallel dazu steht im ewigen Bild der Strom des Wassers des Lebens, der aus dem Thron Gottes und des Lammes hervorfließt. Im Licht des Neuen Testaments wird deutlich, wer dieses Wasser ist. Jesus kündigt den Geist als den an, der vom Vater ausgeht und vom Sohn gesandt wird: „Wenn aber der Tröster kommt, den Ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wirklichkeit, der vom Vater ausgeht, wird Er Zeugnis ablegen über Mich“ (Johannes 15:26). Der Geist der Wirklichkeit ist der Dreieine Gott, der sich in der Geschichte entfaltet hat, nun aber als lebengebender Geist in unsere Tiefe fließt, um uns zu tränken, zu erfrischen, zu klären.

Schon heute wird diese kommende Wirklichkeit erfahrbar, wenn wir innerlich von Christus leben und den Geist als unsere tägliche Lebensversorgung kennen. Der Blick auf den Baum des Lebens und die Wasser des Lebens in der Ewigkeit richtet unser Vertrauen weg von uns selbst und unseren Ressourcen hin zu Christus als unserer Nahrung und unserem Trank. In Zeiten innerer Trockenheit und Erschöpfung erinnert dieses Bild daran, dass Gott uns nicht mit knapper Ration durchs Leben schickt, sondern uns in eine Fülle hineinführen will, die in der Ewigkeit sichtbar wird und schon jetzt im Verborgenen beginnt. Wer sich im Glauben dieser Versorgung öffnet, entdeckt Stück für Stück, dass das Leben aus Christus nicht nur reicht, um zu überleben, sondern um inmitten aller Begrenzung zu wachsen, zu reifen und gestärkt weiterzugehen.

Und Jehovah Gott pflanzte in Eden im Osten einen Garten; und dorthin setzte Er den Menschen, den Er geformt hatte. (1.Mose 2:8)

Und aus dem Erdboden ließ Jehovah Gott allerlei Bäume emporwachsen, die angenehm anzusehen und gut zur Speise waren, und auch den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (1.Mose 2:9)

Der Ausblick auf Baum des Lebens und Wasser des Lebens lehrt uns, unser geistliches Leben nicht aus Leistung, sondern aus Versorgung zu denken. Gott erwartet von den Seinen keine Selbsternährung, sondern öffnet ihnen in Christus einen Tisch und eine Quelle. Wer das im Glauben annimmt, wird nicht sorglos, sondern innerlich entlastet: Nicht unsere Kraft trägt das Leben mit Gott, sondern Seine beständige Nahrung und Sein stilles Tränken. Diese Gewissheit macht dankbar, nimmt der Schuldigkeit den Druck und schenkt neue Freude, sich immer wieder an Christus als dem einzigen, aber völlig ausreichenden Lebensbrunnen zu orientieren.

Thron, kein Fluch mehr und ewiges Herrschen – die vollendete Ordnung Gottes

Im letzten Bild der Bibel steht der Thron Gottes und des Lammes nicht fern am Horizont, sondern mitten in der Stadt. Von ihm geht nicht zuerst ein Gerichtsszenario aus, sondern ein Strom: „Und keinerlei Fluch wird mehr sein; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen“ (Offb. 22:3). Dieser Thron vereint, was wir leicht trennen: Autorität und Gnade. Die göttliche Regierung, die vom Thron ausgeht, zeigt sich darin, dass aus ihm der Strom des Wassers des Lebens hervorfließt und der Baum des Lebens seine Frucht bringt. Wo Gott wirklich regiert, herrscht nicht trockene Strenge, sondern ein überfließendes Leben, das heilt, ordnet und aufrichtet.

Am Ende der Bibel ist der Thron sowohl der Thron der Autorität als auch der Thron der Gnade. Das erkennen wir an dem Bild in Kapitel 22. Hier ist der Thron Gottes und des Lammes eindeutig für Gottes göttliche Verwaltung; daher ist er der Thron der Autorität. Doch was aus dem Thron hervorgeht, ist nicht Autorität, sondern der Strom des Wassers des Lebens mit dem Baum des Lebens als der Lebensversorgung. Das ist nicht Autorität, sondern Gnade. Wir sollten niemals Autorität von Gnade trennen oder Gnade von Autorität. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft sechsundsechzig, S. 763)

Die Worte „kein Fluch mehr“ leuchten vor dem Hintergrund des ersten Buches der Bibel. Zu Adam sagt Gott: „Verflucht ist der Ackerboden deinetwegen; mit Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens“ (1. Mose 3:17). Der Fluch durchzieht seither die Schöpfung – sichtbar in Mühsal, Zerbruch, Krankheit und Tod, aber auch verborgen in verwundeten Beziehungen, in harter Innerlichkeit und in Worten, die zerstören statt zu bauen. Das Evangelium bezeugt, dass Christus diesen Fluch getragen hat: „Christus hat uns aus dem Fluch des Gesetzes freigekauft, indem Er für uns zu einem Fluch geworden ist“ (Gal. 3:13). Im Neuen Jerusalem kommt diese Erlösung zur vollen Entfaltung: kein Rest von Verdammnis, keine Spur von innerem oder äußerem Fluch, sondern eine durch und durch geheilte Wirklichkeit.

Zu dieser geheilten Ordnung gehört, dass die Erlösten Anteil an Gottes Herrschaft erhalten. Es wird gesagt, dass sie Sein Angesicht sehen und Sein Name an ihren Stirnen sein wird (Offb. 22:4). Sie stehen unter Seinem Licht, tragen Sein Gepräge nach außen und dienen Ihm in einer Freiheit, die von jeder Angst befreit ist. Wenn sie „mit ihm herrschen“ – eine Herrschaft, die „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ reicht –, dann nicht als Konkurrenz, sondern als Ausdruck dieser tiefen Gemeinschaft. Gottes Autorität bleibt ungeteilt, und doch nimmt Er Sein Volk hinein in Sein Regieren, so wie ein Vater seine erwachsenen Kinder in Verantwortung hineinführt.

Schon heute lässt Gott uns etwas von dieser kommenden Ordnung schmecken, wenn Seine Herrschaft unser persönliches Leben und unser Gemeindeleben durchdringt. Wo Christus als der Gekreuzigte und Auferstandene Raum gewinnt, verlieren fluchhafte Muster an Kraft: verhärtete Haltungen beginnen sich zu lösen, zerstörerische Worte werden zurückgenommen, alte Bitterkeiten verlieren ihre Macht. Aus dem Thron der Gnade fließt dann ein Strom des Lebens, der Beziehungen neu belebt und uns befähigt, einander in Licht und Wahrheit zu begegnen. So wird das zukünftige Mitregieren im Kleinen eingeübt: indem wir uns von Gottes guten Maßstäben bestimmen lassen und zugleich aus Seiner Gnade leben.

Und keinerlei Fluch wird mehr sein; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen, (Offb. 22:3)

Und zu Adam sprach Er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem Ich dir geboten hatte, und sprach: Du darfst nicht davon essen! – Verflucht ist der Ackerboden deinetwegen; mit Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. (1. Mose 3:17)

Die Verbindung von Thron, aufgehobenem Fluch und ewigem Mitregieren ermutigt, Gottes Herrschaft nicht als Bedrohung, sondern als Befreiung zu verstehen. Wo Seine Autorität unser Inneres erreicht, beginnt der Fluch an Kraft zu verlieren, und Gnade gewinnt Gestalt. Das Wissen um die kommende Ordnung Gottes kann unserem Alltag Festigkeit verleihen: Wir sehen das Unrecht in dieser Welt, aber wir wissen, dass es nicht bestehen bleibt. Diese Gewissheit trägt leise, aber stark, und hilft, in kleinen Schritten treu zu bleiben – im Vertrauen darauf, dass Gott Seine Geschichte zu einem guten, lichtvollen Ziel führt, an dem wir nicht nur Zuschauer, sondern mit Ihm Verbundene sein werden.


Herr Jesus Christus, danke, dass du uns eine Ewigkeit verheißen hast, in der wir dich ohne Unterbrechung genießen, dein Angesicht sehen und in der heiligen Stadt in vollkommener Gemeinschaft mit dir und allen Erlösten leben werden. Stärke unseren Glauben, dass dieser Ausblick nicht fern und abstrakt ist, sondern schon jetzt wie ein Licht auf unserem Weg scheint und unser Leben in der Gemeinde prägt. Lass den Strom deines lebengebenden Geistes unsere inneren Wüsten bewässern, jede Spur des Fluches vertreiben und uns hineinführen in ein einfaches, reines Leben unter deiner guten Herrschaft. Präge uns tiefer in die Realität des Neuen Jerusalems hinein, damit dein Name an unserem Denken, unser Reden und unser Miteinander erkennbar wird. Fülle uns mit der Hoffnung, dass nichts Vergängliches deine ewige Segnung aufhalten kann, und bewahre unsere Herzen in der Erwartung deiner vollkommenen Gemeinschaft und Herrlichkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Revelation, Chapter 66

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