Der Baum des Lebens – Vertiefung
Gott hat das Universum nicht um der Dinge willen geschaffen, sondern um eines Lebens willen – um Seines eigenen Lebens. Im Mittelpunkt dieses göttlichen Vorsatzes steht ein Baum: der Baum des Lebens. Von den ersten Seiten der Bibel bis zu ihren letzten Versen zieht sich wie ein goldener Faden dieses Thema durch die Schrift. Wer diesen Faden verliert, verliert den inneren Sinn von Schöpfung, Erlösung, Gemeinde und Reich.
In dieser Betrachtung wollen wir sehen, wie Christus als das Leben die Wirklichkeit des Baumes des Lebens ist, welche Hindernisse dieses Leben in uns erfährt, und wie der Herr durch das Kreuz und durch unsere erste Liebe den Weg freimacht, damit wir Ihn als den Baum des Lebens genießen – heute in der Gemeinde und in Ewigkeit im Neuen Jerusalem.
1. Der Baum des Lebens – Gottes Ziel in Schöpfung und Errettung
1.1 Der Mensch vor dem Baum des Lebens
1. Mose 2 zeigt uns ein erstaunliches Bild. Gott formt den Menschen, haucht ihm den Lebensatem ein, und der Mensch wird zu einer lebenden Seele (1.Mose 2:7). Dann pflanzt Gott einen Garten in Eden und setzt den Menschen hinein (V. 8). In der Mitte dieses Gartens steht der Baum des Lebens (V. 9).
Gott stellt den Menschen nicht zuerst vor ein Gesetz, nicht vor eine Aufgabe, nicht vor eine Leistung – sondern vor einen Baum, vor eine Speise. Das offenbart Sein Herz: Er möchte, dass der Mensch Ihn empfängt, Ihn isst, Ihn innerlich aufnimmt, damit Gott Selbst zum eigentlichen Bestandteil des Menschen wird.
Der Baum des Lebens ist nicht bloß ein Symbol für „ewiges Leben“ als Zustand, sondern er ist ein Bild für Gott Selbst in Christus als Leben zur Speise. In Kolosser 2:9 heißt es: „Denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Diese Fülle Gottes ist in Christus verkörpert – und der Baum des Lebens stellt uns diesen Christus als essbare, erfahrbare, genießbare Wirklichkeit vor Augen.
Darum sagt Johannes über Christus: „In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh. 1:4). Und der Herr Jesus bezeugt: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es überfließend haben“ (Joh. 10:10). Er ist nicht nur der Geber des Lebens, Er ist das Leben Selbst (Joh. 14:6).
Gott wollte also von Anfang an, dass der Mensch Ihn als Leben empfängt – nicht nur äußerlich an Ihn glaubt, sondern Ihn organisch isst und metabolisch assimiliert, sodass Gottes Leben das Innere des Menschen durchdringt und umgestaltet. So wird der Mensch nicht nur „für Gott“ leben, sondern „aus Gott“ leben.
1.2 Schöpfung und Errettung – ein und dasselbe Ziel: Leben
1. Mose 1 zeigt uns, dass Gott den Menschen in Seinem Bild und nach Seiner Gleichgestalt schuf, damit er herrsche (1.Mose 1:26–28). Gott sah alles an, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut (V. 31). Aber dieses „sehr gut“ war noch nicht das Ziel. Der Mensch war zwar im Bild Gottes geschaffen, aber er hatte Gottes Leben noch nicht innerlich empfangen. Darum steht in 1. Mose 2 der Baum des Lebens im Mittelpunkt.
Was der Mensch in der Schöpfung nicht ergriffen hat, bringt Gott in der Erlösung wieder vor ihn. Am Kreuz wird die Seite des Herrn Jesus geöffnet, und „sogleich kamen Blut und Wasser heraus“ (Joh. 19:34). Das Blut ist für die Erlösung, das Wasser für das Leben. Römer 5:10 sagt: „Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod Seines Sohnes, werden wir viel mehr in Seinem Leben gerettet werden, nachdem wir versöhnt worden sind.“
Gottes vollständige Errettung hat zwei Seiten:
- gerichtliche Erlösung durch das Blut – Vergebung, Rechtfertigung, Versöhnung;
- organische Errettung durch das Leben – innerliche Erneuerung, Umgestaltung, Verherrlichung.
Beides sehen wir in Offenbarung 22: „Und er zeigte mir einen Strom des Wassers des Lebens, hell leuchtend wie Kristall, der aus dem Thron Gottes und des Lammes hervorging“ (V. 1). Und „auf dieser Seite und auf jener Seite des Stromes war der Baum des Lebens“ (V. 2). Wer seine Kleider wäscht, hat „ein Anrecht am Baum des Lebens“ (V. 14). Das Waschen der Kleider weist auf das Blut hin; das Anrecht am Baum des Lebens auf die Lebensversorgung.
Vom Garten Eden (1.Mose 2) bis zur heiligen Stadt (Offb. 22) bleibt Gottes Ziel dasselbe: dass der Mensch Ihn als Leben empfängt, Ihn genießt und Ihn ausdrückt. Christus als Leben ist die Wirklichkeit des Baumes des Lebens – in der Schöpfung, in der Erlösung, in der Gemeinde und in der Ewigkeit.
2. Christus – der gekreuzigte und auferstandene Baum des Lebens
2.1 Der Baum des Lebens in der Gemeinde
In Offenbarung 2:7 sagt der Herr: „Dem, der überwindet, dem werde Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.“ Hier ist der Baum des Lebens nicht mehr nur ein Bild in Eden, sondern eine Verheißung an die Gemeinde in Ephesus.
Der Baum ist aus Holz – und das Holz erinnert uns an das Kreuz. 1. Petrus 2:24 sagt, dass Christus „unsere Sünden Selbst in Seinem Leib an das Holz hinaufgetragen hat“. Der Baum des Lebens in Offenbarung 2 ist also der gekreuzigte Christus. Zugleich ist Er der auferstandene Christus, denn Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh. 11:25). Der Baum des Lebens ist somit der gekreuzigte und auferstandene Christus als unsere Lebensversorgung.
Heute ist dieser Christus in der Gemeinde. Die Gemeinde ist der Ort, wo der Baum des Lebens praktisch erfahrbar ist. Ihre Vollendung ist das Neue Jerusalem, in dem der Baum des Lebens in Ewigkeit die Speise des erlösten Volkes Gottes sein wird (Offb. 22:2, 14).
2.2 Christus als essbares Leben
Der Herr Jesus spricht in Johannes 6 sehr deutlich: „Ich bin das Brot des Lebens“ (V. 35). Und weiter: „Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, der Mich isst, um Meinetwillen leben“ (V. 57). Christus will nicht nur angebetet, bewundert oder nachgeahmt werden – Er will gegessen werden.
Wie essen wir Ihn? Er sagt: „Die Worte, die Ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ (Joh. 6:63). Wenn wir Sein Wort im Glauben aufnehmen, im Geist betend lesen, wird Christus als der Leben gebende Geist (1.Kor. 15:45b) zu unserer inneren Speise. So wird der Baum des Lebens zu einer täglichen, praktischen Erfahrung.
Christus als der Baum des Lebens ist also:
- der inkarniert gewordene Gott (Kol. 2:9),
- der gekreuzigte Erlöser (1.Petr. 2:24),
- der auferstandene und leben gebende Geist (1.Kor. 15:45b),
- das Brot des Lebens (Joh. 6:35),
- der wahre Weinstock (Joh. 15:1),
- der Weg, die Wirklichkeit und das Leben (Joh. 14:6).
All diese Offenbarungen sind Facetten desselben: Gott gibt Sich Selbst in Christus als Leben zur Speise, damit wir Ihn innerlich aufnehmen und Ihn leben.
3. Die inneren Hindernisse für das Leben in uns
Wenn Gottes Ziel so klar ist, warum ist unser Erleben von Christus als Leben oft so gering? Die Schrift zeigt uns vier Hauptprobleme, denen das Leben in uns begegnet: menschliche Vorstellungen, Heuchelei, Rebellion und natürliche Fähigkeit.
3.1 Die Finsternis unserer Vorstellungen – ein anderes Zentrum
Das erste Problem ist, dass wir die Finsternis unserer menschlichen Vorstellungen nicht erkennen. Viele Christen haben nach ihrer Bekehrung Schwierigkeiten, weil sie den Pfad des Lebens nicht kennen. Sie nehmen Christus nicht als ihr Leben, sondern machen andere Dinge zum Zentrum: Lehre, Dienst, Werke, Erfolg, sogar „geistliche“ Ziele.
Doch das Christenleben besteht darin, wie wir uns um den lebendigen Christus in uns kümmern. Paulus sagt, dass Gott Seinen Sohn „in mir“ offenbaren wollte (Gal. 1:16). Er bezeugt: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2:20). Sein Dienst ist Geburtswehen, „bis Christus in euch Gestalt gewinnt“ (Gal. 4:19). Sein persönliches Zeugnis lautet: „Denn zu leben ist für mich Christus“ (Phil. 1:21).
Epheser 4:13 zeigt das Ziel: „bis wir alle … zu einem gereiften Mann, zum Maß des Wuchses der Fülle Christi“ gelangen. Und 2. Korinther 3:18 beschreibt den Weg: indem wir die Herrlichkeit des Herrn anschauen, werden wir in dasselbe Bild umgewandelt.
Wenn Christus nicht unser inneres Zentrum ist, wenn wir etwas anderes als Ihn als Ziel nehmen, geraten wir in Finsternis. Wir können äußerlich „christlich“ sein, aber innerlich nicht im Strom des Lebens. Das Leben stockt, weil wir nicht auf Christus in uns ausgerichtet sind.
3.2 Heuchelei – geistliche Form ohne inneres Leben
Das zweite Problem ist Heuchelei. Der Herr Jesus warnt in Matthäus 6 und 23 eindringlich vor einer Frömmigkeit, die vor Menschen gesehen werden will (Mt. 6:2, 5; 23:13–29). Heuchelei bedeutet, etwas nach außen darzustellen, was innerlich nicht der Wirklichkeit entspricht.
Die Geistlichkeit eines Menschen wird nicht durch die äußere Erscheinung bestimmt, sondern dadurch, wie er sich um den innewohnenden Christus kümmert. Unser natürliches Gutsein, unsere „anständige“ Persönlichkeit, unsere religiöse Gewohnheit können wie eine fromme Maske sein – aber sie sind kein Ausdruck des göttlichen Lebens.
Wenn wir die Dinge gemäß unserer natürlichen Veranlagung tun – auch im Dienst für den Herrn –, ist das Ergebnis Heuchelei. Es mag fromm aussehen, aber es ist nicht Christus. Der Ausdruck des Lebens besteht darin, dass wir unsere natürliche Veranlagung und Vorliebe ablehnen und Christus erlauben, in uns zu wirken und uns zu brechen. Dann kommt etwas hervor, was nicht aus uns, sondern aus Ihm ist.
3.3 Rebellion – das Übergehen des inneren Empfindens
Das dritte Problem ist Rebellion. Christus lebt in uns und gibt uns ständig ein inneres Empfinden des Lebens. Römer 8:6 sagt: „Der auf den Geist gesetzte Verstand ist Leben und Friede.“ 1. Johannes 2:27 spricht von der Salbung, die in uns bleibt und uns über alle Dinge lehrt.
Christus wirkt und bewegt Sich in uns, um uns Klarheit über Seinen Willen zu geben. Oft wissen wir innerlich sehr genau, was der Herr möchte – vielleicht eine Entschuldigung, ein Verzicht, ein Gehorsamsschritt, ein Loslassen. Wenn wir aber nicht gehorchen, sondern gegen dieses Empfinden handeln, ist das Rebellion.
Die schlimmste Sünde ist nicht unbedingt eine äußerlich sichtbare Tat, sondern die Sünde, dem inneren Empfinden von Christus nicht zu gehorchen. Wir können äußerlich korrekt sein und innerlich in Rebellion leben. Dann stockt der Fluss des Lebens in uns.
3.4 Natürliche Fähigkeit – ein frommes Hindernis
Das vierte Problem ist unsere natürliche Fähigkeit. Viele Geschwister lieben den Herrn, sind eifrig und gottesfürchtig – aber ihre größte Schwierigkeit ist die Kraft ihrer natürlichen Begabung. Sie können vieles „für den Herrn“ tun, ohne Ihn wirklich zu brauchen. So hat Christus in ihnen wenig Raum.
Wir schätzen unsere Fähigkeiten, unsere Intelligenz, unsere Organisation, unsere Redegabe. Wir betrachten sie nicht als Problem, sondern als Kapital. Aber wenn sie ungebrochen bleiben, werden sie zu einem großen Hindernis für das Leben Christi. Dann ist unser Dienst mehr Ausdruck unserer Persönlichkeit als Ausdruck Christi.
Gott muss unsere natürliche Fähigkeit durch das Kreuz brechen, damit sie Ihm untergeordnet und von Seinem Leben durchdrungen wird. Erst dann kann Er sie wirklich gebrauchen.
4. Der Weg des Kreuzes – der Durchbruch für das Leben
Für all diese Hindernisse gibt es nur einen Weg: das Kreuz. Der Herr Jesus sagt: „Wenn jemand hinter Mir her kommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge Mir. Denn wer immer sein Seelen-Leben retten will, wird es verlieren; doch wer immer sein Seelen-Leben um Meinetwillen verliert, wird es finden“ (Mt. 16:24–25).
Unser Seelenleben – unsere natürliche Persönlichkeit, unsere Vorlieben, unsere Vorstellungen, unsere Fähigkeiten – muss unter das Kreuz kommen. Das bedeutet nicht Selbstverachtung, sondern Selbstverleugnung: Wir geben dem Selbst nicht mehr das Recht, zu herrschen. Wir erlauben dem Herrn, uns zu brechen, damit Sein Leben ungehindert fließen kann.
Wo das Kreuz wirkt, werden:
- unsere Vorstellungen erschüttert,
- unsere Heuchelei entlarvt,
- unsere Rebellion gerichtet,
- unsere natürliche Fähigkeit gebrochen.
Dann wird Christus in uns Raum gewinnen. Das Kreuz ist nicht gegen das Leben, sondern für das Leben. Es beseitigt alles, was das Leben hindert, damit der Baum des Lebens in uns wachsen und Frucht bringen kann.
5. Die erste Liebe – der Schlüssel zum Essen vom Baum des Lebens
5.1 Die erste Liebe und der erste Platz
In Offenbarung 2 spricht der Herr zur Gemeinde in Ephesus: „Ich habe eine Sache gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast“ (V. 4). Sie hatte Werke, Mühe, Ausharren, richtige Lehre – aber sie hatte die erste Liebe verloren. Darum ruft der Herr: „Erinnere dich … und tu Buße und tu die ersten Werke“ (V. 5).
Unmittelbar danach kommt die Verheißung: „Dem, der überwindet, dem werde Ich zu essen geben vom Baum des Lebens“ (V. 7). Das zeigt eine tiefe Verbindung: Den Baum des Lebens essen ist mit der ersten Liebe verknüpft. Den Herrn mit der ersten Liebe zu lieben bedeutet, Ihm in allen Dingen den ersten Platz zu geben (Kol. 1:18b). Und Ihm den ersten Platz zu geben bedeutet, Ihn als den Baum des Lebens zu essen.
2. Korinther 5:14–15 zeigt die innere Triebkraft: „Denn die Liebe Christi drängt uns … damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt worden ist.“ Wenn Seine Liebe uns drängt, wird Christus unser Alles. Dann ist Er nicht nur unser Retter, sondern unser Ziel, unser Inhalt, unser Mittelpunkt.
Markus 12:30 fasst das Gebot zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Stärke!“ Das ist die erste Liebe – eine ungeteilte, ganze Liebe.
Der Psalmist bezeugt: „Wen habe ich im Himmel? Und außer dir habe ich an nichts Gefallen auf der Erde. Mag auch mein Leib und mein Herz vergehen – meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig“ (Ps. 73:25–26). Gott Selbst wird zu seinem Teil, zu seinem Genuss. Das ist der Genuss des Baumes des Lebens.
5.2 Essen als Hauptsache im Gemeindeleben
Christus als den Baum des Lebens zu essen – Ihn als unsere Lebensversorgung zu genießen – sollte die Hauptsache im Gemeindeleben sein (Offb. 2:7; Joh. 6:57, 63). Der Inhalt des Gemeindelebens hängt vom Genuss Christi ab. Je mehr wir Ihn genießen, desto reicher wird der Inhalt.
Wenn wir Ihn nicht mit der ersten Liebe lieben, wird unser Genuss gering sein. Dann wird das Gemeindeleben trocken, formell, arbeitsbetont. Der Herr ruft uns zurück zur ersten Liebe, damit wir Ihn wieder als Speise genießen.
Einerseits bezieht sich das Essen vom Baum des Lebens im Paradies Gottes (Offb. 2:7) auf den besonderen Genuss von Christus im kommenden Tausendjährigen Reich – im Neuen Jerusalem als der Belohnung für die Überwinder. Andererseits genießen wir heute schon den gekreuzigten und auferstandenen Christus als den Baum des Lebens in unserem Geist als einen Vorgeschmack – in der Gemeinde.
Jede örtliche Gemeinde ist in Gottes Gedanken ein Paradies Gottes, wo Christus der Baum des Lebens ist, den wir genießen können. Unser Empfinden über die Gemeinde hängt stark von unserem inneren Zustand ab. Wenn wir dem Herrn in allem den ersten Platz geben und uns den ganzen Tag um das Essen des gekreuzigten und auferstandenen Christus kümmern, wird die Gemeinde – trotz aller Schwachheit – für uns zum Paradies.
Wenn wir Christus heute nicht als den Baum des Lebens im Gemeindeleben genießen, werden wir im Reichszeitalter sicher nicht am Baum des Lebens teilhaben. Der heutige Genuss ist die Vorbereitung auf den zukünftigen.
6. Christus erhöht – Wiederherstellung und Erweckung
Der eigentliche Grund für Verwüstung und Niedergang in der Gemeinde ist, dass Christus vom Volk Gottes nicht erhöht wird. Man gibt Ihm nicht in allem den Vorrang. Wo Menschen, Programme, Traditionen oder Lehren den ersten Platz einnehmen, weicht die Gegenwart des Lebens.
Psalm 80 ist ein Gebet um Wiederherstellung. In Vers 18 heißt es: „Deine Hand sei über dem Mann deiner Rechten, über dem Menschensohn, den du dir hast stark werden lassen.“ Dieser Menschensohn ist Christus. Wenn Gott Ihn erhöht, kommt Wiederherstellung. Wo das Volk Gottes Christus erhöht und Ihm in jedem Aspekt des Lebens den Vorrang gibt, kommt Erweckung (Ps. 80:18–20).
Christus muss nicht nur in unserem persönlichen Wandel, sondern auch in all unseren Botschaften den ersten Platz haben. Paulus sagt: „Wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als den Herrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen“ (2.Kor. 4:5). Unser Dienst soll die Menschen beständig zurück zum Zentrum ziehen und sie sehen lassen, dass „Christus der Herr ist“.
Um eine solche Botschaft zu geben, müssen wir selbst von Gott zerbrochen werden. 2. Korinther 4:10–11 spricht davon, dass wir „allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertragen, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde“. Unsere Botschaft ist letztlich unsere Person. Nur wenn Christus in uns den ersten Platz hat, kann Er durch uns als Leben ausgeteilt werden.
Der Herr sucht nicht zuerst brillante Prediger, sondern Menschen, in denen Er den Thron hat. Hebräer 12:2 ruft uns auf, „wegschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens“. Wenn wir Ihn auf dem Thron sehen (Hebr. 8:1), wird unser Dienst Ihn in den Mittelpunkt stellen.
7. Ein Herz, das den König liebt – Christus als Zentrum unseres Universums
Um Christus in allen Dingen den ersten Platz zu geben, brauchen wir eine liebevolle Zuneigung zu Ihm als unserem König. Psalm 45 beschreibt einen König, der schöner ist als die Menschensöhne, und der Psalmist sagt: „Meine Zunge sei der Griffel eines geschickten Schreibers“ (V. 2–3). Wer den König liebt, kann nicht schweigen; seine Zunge wird zum Werkzeug, um seine Liebe, seinen Lobpreis und seine Erfahrung von Christus auszudrücken (vgl. 2.Kor. 3:3, 6).
Kolosser 1:17–18 zeigt Christus als unsere Zentralität und Universalität: „Er ist vor allem, und alles besteht in Ihm … damit Er Selbst in allen Dingen den ersten Platz einnehme.“ Ihn mit der ersten Liebe zu lieben bedeutet, Ihn als das Zentrum, den Inhalt und den Umfang unseres persönlichen Universums zu nehmen. Alles in unserem Leben – Familie, Arbeit, Dienst, Freizeit – kreist um Ihn.
Psalm 27:4 zeigt die Haltung eines solchen Herzens: „Eins habe ich von Jehovah erbeten, danach will ich trachten: zu wohnen im Haus Jehovahs alle Tage meines Lebens, um die Schönheit Jehovahs anzuschauen und nach Ihm zu forschen in Seinem Tempel.“ Den Herrn mit der ersten Liebe zu lieben bedeutet, Seine Schönheit anzuschauen und in jedem Detail unseres Lebens nach Seinem Rat zu fragen (vgl. Jos. 9:14; Phil. 4:6–7).
7.1 Von unserem vermengten Geist regiert
Den Herrn mit der ersten Liebe zu lieben bedeutet auch, von unserem vermengten Geist beherrscht, regiert, geleitet und bewegt zu werden. Unser Geist ist mit dem Geist Gottes vermengt (1.Kor. 6:17). Wenn wir auf die Ruhe in unserem Geist achten, werden wir zu „Gefangenen Christi“ (vgl. 2.Kor. 2:13–14). Wir können beten: „Herr, gewinne den Sieg über mich. Mach mich zu Deinem Gefangenen. Lass mich niemals gewinnen. Besiege mich immer wieder!“
Wo der Herr in unserem Geist herrscht, haben wir einen klaren Himmel. Hesekiel 1:22 spricht von einer Ausdehnung „wie das Aussehen eines ehrfurchtgebietenden Kristalls“ über den Häuptern der Lebewesen, und Vers 26 zeigt den Saphirthron Gottes darüber. Ein klarer Himmel bedeutet: zwischen uns und dem Herrn steht nichts; wir sind von der Atmosphäre Seiner herrschenden Gegenwart erfüllt. Dann kann Er als König in uns regieren.
8. Christus, der König der Herrlichkeit, und die Überwinder
Psalm 24 ruft: „Erhebt eure Häupter, ihr Tore, und lasst euch emporheben, ihr lang anhaltenden Türen; und der König der Herrlichkeit wird einziehen!“ (V. 7). Die Tore der Städte und die Türen der Häuser stehen für die Öffnung der Nationen und der Menschen für Christus. Er ist das Sehnen aller Nationen (Hag. 2:7), auch wenn sie Ihn nicht kennen.
Der König der Herrlichkeit ist „Jehovah der Heerscharen“ (Ps. 24:10) – der vollendete Dreieine Gott, verkörpert im siegreichen Christus. Jesus ist Jehovah (Mt. 1:21), der fleischgewordene, gekreuzigte und auferstandene Gott, der stark im Kampf und siegreich ist (Offb. 5:5). Er wird in Auferstehung mit Seinen Überwindern zurückkommen, um die ganze Erde als Sein Königreich in Besitz zu nehmen (Dan. 2:34–35; 7:13–14; Offb. 11:15; 19:13–14).
Die Überwinder sind sinnbildlich durch Zion dargestellt – den innersten Teil Jerusalems (Ps. 48:3). Sie sind der Brückenkopf, durch den der Herr zurückkehren wird, um die Erde in Besitz zu nehmen. Nur Christus, der König, der mit den Überwindern als Seinen Helfern regiert, kann die Probleme der heutigen Welt lösen (Jes. 42:1–4). Sein Name wird durch diese Überwinder in allen Generationen in Erinnerung bleiben (Ps. 45:17–18; Offb. 2:26).
Wer sind diese Überwinder? Es sind solche, die Christus als den Baum des Lebens essen, Ihn mit der ersten Liebe lieben, Ihm in allem den ersten Platz geben und sich vom Kreuz behandeln lassen. Sie sind nicht unbedingt die Sichtbarsten, aber sie sind diejenigen, in denen Christus wirklich herrscht.
9. Der Thron, der Strom und der Baum – unser ewiger Anteil
In Offenbarung 4:3 wird Christus, der auf dem Thron sitzt, beschrieben „dem Aussehen nach wie ein Jaspisstein und ein Sarder“. Der Sarder (rot) weist auf die Erlösung hin, der Jaspis (dunkelgrün) auf das Leben in seiner Fülle. In Offenbarung 21:10–11 wird die heilige Stadt, das Neue Jerusalem, „voll der Herrlichkeit Gottes“ gesehen, „ihr Licht war gleich dem kostbarsten Stein, wie einem kristallklaren Jaspisstein“. Die Stadt trägt dasselbe Aussehen wie der Gott der Herrlichkeit.
Wenn wir uns dem Hauptsein Christi unterordnen und uns unter Seinem Thron befinden, werden wir Nutznießer all dessen, was Er in Seiner gerichtlichen Erlösung (Sarder) und in Seiner organischen Errettung (Jaspis) ist (vgl. Röm. 5:10). Sein Leben durchdringt uns, bis wir Sein Aussehen tragen.
Offenbarung 22:14 sagt: „Gesegnet sind die, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben und durch die Tore in die Stadt hineingehen können.“ Diejenigen, die ihre Kleider im Blut Christi waschen, haben das Recht, in Ewigkeit den Baum des Lebens als ihren Anteil zu genießen – im Paradies Gottes, der heiligen Stadt (vgl. Offb. 2:7).
Das ist Gottes Ziel: ein Volk, das Ihn nicht nur kennt, sondern Ihn isst; das nicht nur für Ihn arbeitet, sondern aus Ihm lebt; das nicht nur über Ihn redet, sondern Ihn ausdrückt. Ein Volk, das Christus als den Baum des Lebens genießt – heute in der Gemeinde, morgen im Reich, und in Ewigkeit im Neuen Jerusalem.
10. Warum diese Wahrheit unser Leben verändert
Der Baum des Lebens ist keine abstrakte Lehre. Er berührt unser tägliches Christenleben ganz konkret:
- Er stellt die Frage: Lebe ich aus mir oder aus Christus?
- Er prüft: Ist Christus wirklich das Zentrum meines inneren Universums?
- Er entlarvt: Wo bin ich heuchlerisch, wo lebe ich aus meiner Natur?
- Er ruft: Bin ich bereit, mich vom Kreuz brechen zu lassen?
- Er lädt ein: Esse ich Christus täglich im Wort, im Gebet, in der Gemeinschaft?
Wenn wir vor dem Herrn stehen, wird nicht zählen, wie viel wir „für Ihn“ getan haben, sondern wie viel Raum Er in uns hatte. Das „gut gemacht“ des Herrn (Mt. 25:21, 23) wird alle Anerkennung der Welt übertreffen. Sein lächelndes Angesicht wird alle zornigen Gesichter der Erde überstrahlen; Sein Trost wird alle Tränen der Erde übersteigen (vgl. Jer. 1:7–9, 18–19; Dan. 4:26).
Möge der Herr uns zurückführen zur ersten Liebe, uns unter Sein Kreuz bringen, uns in unserem inneren Menschen erleuchten und uns lehren, Ihn als den Baum des Lebens zu essen. Dann wird unser persönliches Leben, unser Gemeindeleben und unser Dienst von Ihm als Leben durchdrungen sein – zu Seiner Herrlichkeit und zu Seiner Freude in Ewigkeit.