Das Wort des Lebens
lebensstudium

Christus erlangen, indem wir die Kraft Seiner Auferstehung erfahren

10 Min. Lesezeit

Viele Gläubige sehnen sich danach, Christus näher zu kennen, erleben aber ihren Alltag oft kraftlos und innerlich zerrissen zwischen hohen Idealen und harter Realität. Paulus öffnet in Philipper 3 einen Einblick in ein anderes Leben: Er spricht davon, Christus zu gewinnen, die Kraft Seiner Auferstehung zu kennen, an Seinen Leiden teilzuhaben und Seinem Tod gleichgestaltet zu werden – nicht als fromme Theorie, sondern als Weg, Christus real und ständig zu ergreifen.

Christus gewinnen, erlangen und ergreifen

Wenn Paulus davon spricht, Christus zu gewinnen, zu erlangen und zu ergreifen, zeichnet er kein statisches Bild, sondern einen Weg. Am Anfang steht der große Tausch: Alles, was ihm früher Sicherheit gab – Herkunft, Frömmigkeit, Erfolg –, verliert seinen Glanz, weil eine Person in sein Blickfeld tritt. Er beschreibt es so: Er habe „den Verlust aller Dinge erlitten und [erachte] sie als Unrat, damit ich Christus gewinne“ (Phil. 3:8). Christus gewinnen heißt zunächst, dass das eigene Lebenszentrum verschoben wird. Nicht mehr das, was ich vorweisen kann, trägt mein Dasein, sondern der, in dem ich gefunden werden möchte. So beginnt das Leben aus Gnade: indem ein Mensch sich nicht mehr auf seine Gerechtigkeit stützt, sondern sich Christus anvertraut, der ihn kennt, ruft und annimmt.

In Vers 8 sagt Paulus: „Ich habe den Verlust aller Dinge erlitten und erachte sie als Unrat, damit ich Christus gewinne.“ Das ist der Anfang des Sich‑Sicherns des Herrn. In Vers 10 fährt Paulus fort: „um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde.“ Hier sehen wir die zweite Stufe, den Vorgang des Gewinnens Christi. Dieser Vers zeigt uns tatsächlich den Weg, Ihn zu gewinnen. Schließlich ergreifen wir in der dritten Stufe Christus (V. 12). Das ist die Vollendung des Sich‑Sicherns Christi. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft zweiundfünfzig, S. 462)

Doch mit diesem Anfang gibt sich Paulus nicht zufrieden. Er will „Ihn erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden“ (Phil. 3:10). Christus erlangen bedeutet für ihn, diese Person, die ihn ergriffen hat, immer tiefer kennenzulernen – nicht nur in Begriffen, sondern in Begegnungen, in durchlebten Tagen, in Licht und Dunkel. Schließlich bekennt er: „Nicht dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre, ich jage aber nach, ob ich wohl das ergreifen kann, wozu ich auch von Christus Jesus ergriffen worden bin“ (Phil. 3:12). In diesem Nachjagen schwingt keine nervöse Leistungsangst, sondern die Gewissheit: Da ist ein Ruf Gottes über meinem Leben, eine Hand, die mich schon gehalten hat. Christus zu ergreifen heißt dann, sich von dieser Hand immer tiefer bestimmen zu lassen, bis die alten Sicherheiten wirklich zu Unrat werden und Christus selbst zum eigentlichen Gewinn. In dieser Bewegung wächst ein stiller Mut: Mein Leben ist nicht dem Zufall ausgeliefert, sondern dem, der mich schon ergriffen hat – darum lohnt es sich, weiterzugehen, auch wenn manches, was einst wichtig schien, losgelassen werden muss.

Ja wahrlich, ich erachte auch alles als Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich den Verlust aller Dinge erlitten habe und sie für Unrat erachte, damit ich Christus gewinne (Phil. 3:8)

Nicht dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre, ich jage aber nach, ob ich wohl das ergreifen kann, wozu ich auch von Christus Jesus ergriffen worden bin. (Phil. 3:12)

Wer in diesem Licht auf seinen Weg zurückschaut, entdeckt oft Stück für Stück, wie der Herr bereits „alle Dinge“ benutzt hat, um das eigene Herz zu lösen und auf Ihn auszurichten. Gerade dort, wo alte Stützen brüchig wurden, konnte Christus zum eigentlichen Gewinn werden. Es ist tröstlich zu wissen: Das Ziel hängt nicht von unserer Unerschütterlichkeit ab, sondern von dem, der uns ergriffen hat. Aus dieser Gewissheit wächst eine entspannte Entschiedenheit: Vergangenes darf verblassen, Christus darf gewinnen.

Die Kraft Seiner Auferstehung inmitten von Leiden

Die Kraft der Auferstehung ist keine spektakuläre Zusatzenergie für außergewöhnliche Momente, sondern die stille, widerständige Lebenskraft des auferstandenen Christus mitten im gewöhnlichen Tag. Paulus verbindet sie untrennbar mit der „Gemeinschaft Seiner Leiden“ (Phil. 3:10). Es gibt viele Formen von Schmerz, doch nicht jeder Schmerz ist Anteil an Christi Leiden. Gemeint ist das Leiden, das dadurch entsteht, dass ein Mensch an Christus festhält, für Sein Evangelium, für Seinen Leib, für Sein Reich einsteht – und gerade dadurch auf Widerstand, Missverständnis oder Verlust stößt. Wo jemand um Christi willen nicht mitläuft, nicht schweigt, nicht hart wird, entsteht eine Lücke zwischen dem, was bequem wäre, und dem, was treu ist. In diese Lücke tritt die Kraft der Auferstehung.

Dieser Vorgang des Gewinnens Christi, wie er in Vers 10 offenbart wird, besteht darin, Ihn zu erkennen, indem wir die Kraft Seiner Auferstehung erkennen. Wenn wir jedoch die Kraft der Auferstehung Christi erkennen wollen, müssen wir an Seinen Leiden teilhaben und die Gemeinschaft Seiner Leiden erkennen. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft zweiundfünfzig, S. 463)

Diese Kraft zeigt sich oft leise: in einem neuen Aufstehen nach Entmutigung, in bleibender Liebe, obwohl die Gefühle leer sind, in einem Frieden, der objektiv nicht erklärbar ist. Paulus beschreibt die Quelle so: Christus wurde „aus der Auferstehung der Toten in Kraft als Sohn Gottes bestimmt“ (Röm. 1:4), und „wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird Er … auch euren sterblichen Leibern Leben geben“ (Röm. 8:11). Die Auferstehungskraft ist also der Geist selbst, der in uns wohnt und uns von innen her lebendig macht – nicht indem er Leiden entfernt, sondern indem er uns hindurchträgt und verwandelt. Dort, wo jemand für den Leib Christi trägt, dient, mitträgt und doch innerlich nicht verbittert, sondern weicher, weitherziger, hoffnungsvoller wird, zeigt sich, wie real diese Kraft im Verborgenen wirkt. Und gerade diese verborgene Wirklichkeit macht Mut: Kein um Christi willen ertragener Schmerz bleibt leer; er wird zum Ort, an dem die Auferstehungskraft Christi Gestalt gewinnt.

In diesem Licht bekommt auch die eigene Geschichte eine andere Färbung. Zeiten, die wie verlorene Jahre wirkten, können rückblickend zu Stationen werden, an denen Christus uns tiefer mit sich verbunden hat. Die Spannungen im Gemeindeleben, die Müdigkeit im Dienst, das Unverstanden-Sein im Umfeld – all das muss nicht zum Anlass inneren Rückzugs werden, sondern kann zum Raum werden, in dem der Geist der Auferstehung uns neue Zärtlichkeit, neue Ausdauer, neue Freude schenkt. Wer das einmal geschmeckt hat, trägt eine leise, aber kraftvolle Hoffnung in sich: Die letzte Wirklichkeit über meinem Leben ist nicht Niederlage, sondern Auferstehung, und gerade im Mit-Leiden mit Christus wird sie am deutlichsten spürbar.

um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde, (Phil. 3:10)

Und wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird Er, der Christus von den Toten auferweckt hat, durch Seinen Geist, der in euch wohnt, auch euren sterblichen Leibern Leben geben. (Röm. 8:11)

So wächst mit der Zeit eine andere Erwartung an den Alltag: Schwierigkeiten werden nicht mehr nur als Störung eines gelingenden Lebens gesehen, sondern als Türen, durch die die Auferstehungskraft des Herrn eintreten kann. Das macht nicht hart, sondern innerlich frei: Nicht die Umstände haben das letzte Wort, sondern der auferstandene Christus, der in uns wohnt. Wer so denkt, kann auch in unscheinbaren Tagen damit rechnen, Ihn tiefer zu erfahren.

Seinem Tod gleichgestaltet – ein gekreuzigtes Leben

Seinem Tod gleichgestaltet zu werden ist eines der dichtesten Worte des Paulus. Es beschreibt nicht nur den Blick auf Golgatha, sondern eine Lebensform. Der Herr Jesus lebte auf der Erde faktisch ein gekreuzigtes Leben: Er war allem anderen als Gott gegenüber tot, Seinen eigenen Ansprüchen ebenso wie den Erwartungen der Menschen. So konnte Er sagen: „Meine Speise ist die, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat“ (Johannes 4:34). Kreuzesgleichgestalt heißt deshalb nicht, die eigene Persönlichkeit zu löschen, sondern das natürliche, selbstbestimmte Leben unter das Kreuz zu stellen, damit das Leben des Sohnes Gottes Raum gewinnt.

Wenn wir an den Leiden Christi für den Leib teilhaben, werden wir Seinem Tod gleichgestaltet. Als der Herr Jesus auf der Erde war, war Er allem anderen als Gott gegenüber tot, auch Seiner Familie und Seinen Verwandten. Der Herr lebte ein gekreuzigtes Leben; Er brachte Sein natürliches Leben fortwährend zum Tod. Indem Er ein solches gekreuzigtes Leben lebte, war Er Gott gegenüber lebendig und lebte Ihn. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft zweiundfünfzig, S. 467)

Paulus verbindet diese Gleichgestaltung mit Gottes umfassendem Handeln an uns: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind. Denn die Er zuvor erkannt hat, die hat Er auch zuvor bestimmt, dem Bild Seines Sohnes gleichförmig zu sein“ (Römer 8:28–29). Alle Dinge – die hellen und die dunklen, die gewählten und die ungefragten – können dazu dienen, dass unser innerer Mensch Christus ähnlicher wird. Praktisch bedeutet das: Dort, wo wir lieber sofort zurückschlagen würden, entsteht die Möglichkeit, mit Christus zu sterben und statt Vergeltung Sanftmut hervorkommen zu lassen. Dort, wo wir uns profilieren möchten, aber zurücktreten, damit andere Raum haben, nimmt der Stolz Schaden und die Liebe gewinnt Gestalt. Dort, wo wir unser Recht nicht bis zuletzt durchsetzen, obwohl wir es könnten, wird sichtbar, dass ein anderes Leben in uns spricht.

Solche Haltungen lassen sich nicht einfach beschließen. Sie wachsen, wo die Auferstehungskraft Christi unser Herz verwandelt. Das gekreuzigte Leben ist darum kein moralisches Höchstprogramm, sondern Frucht der Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Je mehr Er unser Inneres erfüllt, desto freier werden wir von der Zwanghaftigkeit, uns selbst sichern, durchsetzen, rechtfertigen zu müssen. Das Kreuz wird dann nicht zu einem düsteren Symbol ständiger Selbstverneinung, sondern zu einem Weg in eine neue Freiheit: frei, zu lieben, wo man nicht muss; frei, zu lassen, wo man klammern könnte; frei, im Verborgenen treu zu sein. So gewinnt Christus Gestalt in unserem Alltag, und gerade darin erlangen wir Ihn tiefer, als es Worte allein je könnten.

Wer auf diesen Weg blickt, spürt zugleich Ernst und Trost. Ernst, weil der Herr uns nicht an der Oberfläche unseres Lebens belässt, sondern bis in verborgene Motive und alten Stolz hineinführt. Trost, weil Er uns auf diesem Weg nicht allein lässt. Der, der uns ruft, ist derselbe, der schon den Tod durchschritten hat und jetzt in Auferstehung in uns lebt. In Seiner Gegenwart wird das gekreuzigte Leben nicht zum schweren Programm, sondern zu einem Weg, auf dem wir mehr und mehr erfahren: Was untergeht, ist das, was uns bindet; was aufsteht, ist das, was bleibt.

um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde, (Phil. 3:10)

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Philippians, Chapter 52

Diesen Artikel teilen

Wenn er hilfreich war, kannst du ihn einfach weitergeben.

E-Mail WhatsApp