Das Wort des Lebens
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Christus – das Geheimnis von Gottes Ökonomie

11 Min. Lesezeit

Viele Christen sehnen sich nach einem tieferen Verständnis von Gottes Plan und einem erfüllten Glaubensleben, greifen aber oft zu Philosophien, Traditionen oder religiösen Formen, die am eigentlichen Mittelpunkt vorbeigehen. Die Briefe an die Kolosser und Epheser öffnen einen Vorhang: Gott hat in seinem Wort einen verborgenen Ratschluss offenbart, der von den Zeiten und Generationen her verborgen war. Im Zentrum dieses Geheimnisses steht nicht eine Lehre, sondern eine Person – Christus selbst –, der in seinen Gläubigen wohnt und in ihnen seine Herrlichkeit offenbaren will.

Christus – das Geheimnis von Gottes Ökonomie

Wenn Paulus von der Ökonomie Gottes spricht, öffnet er einen Blick in das innere Handeln des Dreieinen Gottes mit den Menschen. Es geht nicht zuerst um einen Plan, der von außen an uns herangetragen wird, sondern um Gottes Weise, Sich Selbst – den Vater, den Sohn und den Geist – in Sein auserwähltes Volk hinein auszuteilen. In diesem göttlichen Haushalten steht eine Person im Mittelpunkt: Christus. In 1. Mose wird Er als der mitwirkende Schöpfer angedeutet, durch den alles geworden ist; im Verlauf der Schrift erscheint Er als der, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt, und schließlich als der lebensspendende Geist, der in den Glaubenden Wohnung nimmt. Wenn Kolosser 1 sagt, Paulus sei „nach der Haushalterschaft Gottes … geworden, die mir für euch gegeben worden ist, um das Wort Gottes zu vervollständigen“ (Kol. 1:25), dann zeigt sich darin: Das Wort Gottes läuft auf eine Vollendung zu, und diese Vollendung besteht darin, dass Christus als das Herzstück von Gottes Ökonomie ans Licht kommt.

Gottes Absicht in Seiner Ökonomie ist, Sich Selbst – den Vater, den Sohn und den Geist – in Sein auserwähltes Volk hineinzuteilen. Christus ist das Geheimnis, das Verborgene und der entscheidende Brennpunkt der göttlichen Ökonomie. Das bedeutet: Das Geheimnis der Austeilung des Dreieinen Gottes in Gottes auserwähltes Volk ist Christus Selbst. Christus ist der Brennpunkt von Gottes Austeilung. Gottes Austeilung hat ganz und gar mit Christus zu tun und ist auf Ihn ausgerichtet. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft vierzehn, S. 115)

Das Geheimnis dieser Ökonomie ist nicht ein verborgenes System, sondern eine Person, die sich verbirgt und offenbart zugleich. Der Christus, der von Ewigkeit her bei Gott war, tritt in der Zeit in die Geschichte ein, durchläuft Kreuz und Auferstehung und kommt dann als Geist, um in den Seinen zu wohnen. Was in früheren Zeitaltern nur als Schatten und Verheißung aufschien, wird jetzt in der Gemeinde sichtbar: Christus inmitten eines Volkes, das Ihn als seine Mitte, sein Leben und seinen Inhalt kennt. So wird das, was von den Generationen her verborgen war, offenbar als „das Geheimnis“, von dem es heißt: „… jetzt aber Seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist“ (Kol. 1:26). Je mehr ein Mensch und eine Gemeinde diesen Christus als Brennpunkt entdecken, desto klarer ordnen sich auch die vielen Einzelteile des Lebens – Beruf, Beziehungen, Dienst – um Ihn. In dieser Ausrichtung liegt eine stille Ermutigung: Gottes Ökonomie ist nicht ein fernes Lehrgebäude, sondern der lebendige Christus, der unser Heute durchdringen und unser Morgen prägen will, bis Er als alles in allem Gestalt gewonnen hat.

deren Diener ich nach der Haushalterschaft Gottes geworden bin, die mir für euch gegeben worden ist, um das Wort Gottes zu vervollständigen, (Kol. 1:25)

das Geheimnis, das von den Zeitaltern und von den Generationen her verborgen gewesen ist, jetzt aber Seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist, (Kol. 1:26)

Wer Christus als das Geheimnis von Gottes Ökonomie erkennt, findet einen neuen Mittelpunkt für Denken, Fühlen und Entscheiden. Schritt für Schritt wird das eigene Leben von einem Stückwerk aus religiösen Pflichten und menschlichen Plänen verwandelt zu einem Raum, in dem der Dreieine Gott Sich Selbst in Christus mitteilt. In dieser Bewegung wächst die Gewissheit: Ich bin nicht einem abstrakten Plan ausgeliefert, sondern Teil eines lebendigen Haushaltens Gottes, in dem Christus selbst der Inhalt, die Kraft und das Ziel ist.

Christus in uns – die Hoffnung der Herrlichkeit

Wenn Paulus von „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ spricht, fasst er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Glaubenden in einem Satz zusammen. In der Vergangenheit hat Gott in Christus alles vorbereitet, was für unsere Rettung und Verherrlichung nötig ist; in der Zukunft wird Er uns in eine voll sichtbare Herrlichkeit hineinführen. Dazwischen liegt das Heute, in dem Christus als inwohnender Herr unsichtbar, aber real in uns lebt. Kolosser 1 beschreibt diesen inneren Reichtum so: Gott wollte Seinen Heiligen „bekannt machen … was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol. 1:27). Herrlichkeit ist hier mehr als eine leuchtende Atmosphäre; sie ist die voll entfaltete Offenbarung dessen, was Gott aus uns in Christus gemacht hat: geliebte Kinder, gerechtfertigt, geheiligt, mit der himmlischen Berufung verbunden.

In Vers 27, der die Fortsetzung von Vers 26 ist, sagt Paulus: „Ihnen wollte Gott kundtun, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen ist, welches ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ … Dieses Geheimnis, nämlich Christus in uns als die Hoffnung der Herrlichkeit, wird unter den Nationen kundgemacht. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft vierzehn, S. 117)

Weil Christus in uns lebt, beginnt diese Herrlichkeit schon jetzt, leise in unserem Inneren aufzuleuchten. Nicht als ständiger Triumph ohne Kampf, sondern als göttlicher Glanz mitten in Schwachheit, Anfechtung und Unvollkommenheit. Römer 8 verbindet Gottes ewigen Ratschluss mit einer überraschend entschiedenen Aussage: „… und die, die Er gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht“ (Röm. 8:30). Im Blick Gottes ist die Verherrlichung der Seinen so gewiss, dass sie bereits in der Vergangenheitsform stehen kann. Für unser Empfinden bleibt sie Zukunft – und doch ist der Grund dieser Hoffnung schon in uns anwesend: Christus selbst. Diese Spannung schenkt eine tiefe, tragende Zuversicht. Wer sich seiner eigenen Zerbrechlichkeit bewusst ist und zugleich den inwohnenden Christus im Glauben festhält, darf wissen: Der, der jetzt im Verborgenen in mir formt, was zu Gott passt, wird es auch einmal in eine sichtbare Herrlichkeit hinausführen, in der nichts Vergängliches und Zerrissenes mehr Vorrang hat.

In diesem Licht bekommt auch der Alltag ein anderes Gewicht. Unspektakuläre Treue, verborgenes Ausharren, kleine Schritte im Gehorsam tragen den Stempel der kommenden Herrlichkeit, weil sie vom inwohnenden Christus durchdrungen sind. Herrlichkeit zeigt sich heute oft in Gestalt von Frieden, der menschlich nicht erklärbar ist, in der Kraft zu vergeben, wo eigentlich Bitterkeit naheläge, oder in der stillen Freude, die nicht an äußere Umstände gebunden ist. All das ist Vorgeschmack dessen, was einmal unverhüllt sein wird. So entsteht eine Hoffnung, die nicht von Leistung lebt, sondern von der Gegenwart einer Person: Christus in uns. Diese Hoffnung lädt ein, das eigene Leben nicht aus der Perspektive des momentanen Drucks, sondern aus dem Horizont der kommenden Herrlichkeit zu betrachten und sich von ihr innerlich aufrichten zu lassen.

denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, (Kol. 1:27)

und die, die Er vorherbestimmt hat, diese hat Er auch berufen; und die, die Er berufen hat, diese hat Er auch gerechtfertigt; und die, die Er gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht. (Röm. 8:30)

Christus in uns als Hoffnung der Herrlichkeit verwandelt die Sicht auf uns selbst und auf unseren Weg. Wer sich von dieser Hoffnung prägen lässt, bewertet Erfolg und Scheitern nicht mehr endgültig, sondern sieht sie im Licht einer zugesagten Herrlichkeit, die bereits inwendig begonnen hat. Daraus wächst eine stille Standhaftigkeit: Der inwohnende Christus trägt durch Dunkelheiten hindurch, formt auch im Verborgenen und lässt nichts, was Ihm anvertraut ist, verlorengehen.

Reif werden in Christus durch seine innere Kraft

Paulus beschreibt sein Dienstziel mit überraschender Klarheit: Er verkündigt Christus, „damit wir jeden Menschen gereift in Christus darstellen“ (Kol. 1:28). Reife in Christus ist keine makellose Oberfläche, sondern ein innerer Zustand, in dem Christus Gestalt gewonnen hat. Sie wächst nicht über Nacht, sondern entsteht, indem Christus uns gleichsam „hinzugefügt“ wird – Er füllt unsere Gedanken, bildet unsere Reaktionen um, prägt unseren Charakter. So wird aus einem anfänglichen Glauben, der noch stark von alten Mustern und Sicherheiten gefärbt ist, ein Leben, das von innen her von Christus durchzogen ist. Dieses Wachstum im Leben bis zur Reife ist die stille Gegenbewegung zu aller Religiosität, die bei äußeren Formen stehenbleibt.

Der Dienst des Paulus – sei es im Verkündigen Christi oder im Ermahnen und Lehren jedes Menschen in aller Weisheit – bestand darin, anderen Christus zu dienen, damit sie durch das Reifen mit Christus bis zum vollen Wachstum vollkommen und vollständig werden konnten. In Christus voll erwachsen zu werden, ist eine Sache des Lebens. Christus muss uns hinzugefügt werden. Dann müssen wir in Christus wachsen und nach und nach mehr von dem Maß Christi gewinnen. Schließlich, wenn Christus in uns hineingewirkt ist, werden wir in Christus voll erwachsen sein. (Witness Lee, Life-Study of Colossians, Botschaft vierzehn, S. 122)

Dabei stützt sich Paulus nicht auf mentale Stärke oder Willenskraft, sondern auf eine Kraft, die in ihm wirkt. Er sagt: „wofür ich mich auch abmühe, indem ich kämpfe, gemäß Seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft“ (Kol. 1:29). In diesem Satz begegnen sich zwei Bewegungen: Paulus arbeitet, ringt, trägt Verantwortung; zugleich anerkennt er, dass die eigentliche Energie von Christus in ihm kommt. dieselbe Dynamik zeigt sich dort, wo wir „durch den Geist leben“ und auch „durch den Geist wandeln“ (Gal. 5:25): Der Geist wirkt in uns, wir beantworten Sein Wirken mit einem Lebenswandel, der sich auf Ihn ausrichtet. So wächst Christus in uns heran – nicht als erdrückende Forderung, sondern als innere Triebkraft, die Bindungen an Tradition, Philosophie und Selbstzentriertheit löst und unsere Aufmerksamkeit neu auf Ihn als das Zentrum lenkt.

Reife in Christus bedeutet darum auch, sich von dieser inneren Kraft leiten zu lassen, gerade in den unscheinbaren Zonen des Alltags. Entscheidungen, in denen früher Eigenwille dominierte, werden zu Räumen, in denen Christi Sinn zum Ausdruck kommt. Beziehungen, in denen Verletzungen das letzte Wort hatten, öffnen sich für die versöhnende Kraft des Herrn, der in uns wohnt. Und das persönliche Bild von Gott, oft geprägt von Angst oder Leistungsdruck, wird korrigiert durch die Erfahrung des Christus, der in uns als Quelle von Leben, Trost und beharrlicher Liebe wirksam ist. Je tiefer dieses Wirken in uns verankert ist, desto deutlicher werden wir zu Gliedern, die den Leib Christi tatsächlich aufbauen, nicht durch äußere Aktivität allein, sondern durch die Ausstrahlung des inwohnenden Herrn.

In dieser Perspektive wird das Reifen in Christus zu einem ermutigenden Weg: Es geht nicht darum, einem unerreichbaren Ideal hinterherzulaufen, sondern darum, der Kraft Raum zu geben, die Gott bereits in uns gelegt hat. Wo uns unsere Unreife bewusst wird, darf uns das nicht entmutigen, sondern daran erinnern, dass Christus selbst unser Ziel und zugleich unsere Energie ist. So kann auch ein mühsamer Abschnitt des Lebens zu einem Ort werden, an dem Seine Auferstehungskraft tiefer Wurzeln schlägt – leise, aber nachhaltig, mit dem Ziel, dass wir einmal wirklich als gereifte Menschen in Christus dastehen, zu Seiner Freude und zur Stärkung des ganzen Leibes.

Ich sage aber: Wandelt durch den Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches auf keinen Fall erfüllen. (Gal. 5:16)

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Herr Jesus Christus, du bist das verborgene Geheimnis von Gottes Ökonomie und zugleich der Herr, der in uns wohnt. Öffne unsere Augen, damit wir dich als den allumfassenden Mittelpunkt von Gottes Plan sehen und nicht von äußeren Dingen von dir abgelenkt werden. Erfülle unser Inneres neu mit dem Bewusstsein, dass du in uns die Hoffnung der Herrlichkeit bist, und lass die reichen Schätze deiner Gegenwart unser Denken, Fühlen und Handeln durchdringen. Stärke uns durch die Kraft deines Auferstehungslebens, damit dein Wirken in uns nicht gehindert wird und wir in dir zu reifen Söhnen und Töchtern Gottes heranwachsen, die deinen Leib auferbauen. In allem soll deine Herrlichkeit sichtbar werden – heute im Verborgenen und eines Tages in vollkommener Offenbarung. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Colossians, Chapter 14

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